Sicherheit? – Die häufigste Frage aller Mexiko-Neueinsteiger

Mexiko: Die Realität ist besser als sein Ruf - attraktivster Produktionsstandort Amerikas!

Mexikos Ruf und Realität klaffen weit auseinander: wer noch nie das Land bereist hat und sich auf Medienberichte verlässt, geht in der Regel davon aus, dass Mexiko insgesamt ein gefährliches Pflaster ist. Das stimmt: wer die Angst sucht, wird sie relativ einfach finden. Aber an wie vielen Orten der Welt gilt das nicht? Keinesfalls hilfreich für die Verbesserung des Rufs sind dazu „Patzer“ wie die spektakuläre Flucht von Drogenbossen aus Hochsicherheitsgefängnissen durch kilometerlange Tunnels.

Tatsache ist, dass Mexiko ein Sicherheitsproblem hat, das allerdings differenziert zu sehen ist. Mexiko ist ein Transitland von Süd- und Zentralamerika in die USA, einerseits von Drogen und anderseits für Migranten. Beides machen sich kriminelle Banden im Lande zu Nutze. Hinzu kommen Schwächen im eigenen Sicherheitsapparat. Die Migrations- und Drogenrouten führen jedoch in aller Regel nicht durch jene Gegenden, in der sich das wirtschaftliche Leben des Landes abspielt und schon gar nicht, wo sich modernste  Industrieparks für multinationale Konzerne konzentrieren. Der Krieg unter Drogenbanden und die damit verbundene schwierige Sicherheitslage stellen in manchen der ärmsten Regionen Mexikos, zuletzt insbesondere Guerrero, Michoacan und Tamaulipas weiter ein Problem dar. Obwohl regional immer wieder Probleme aufflammen, darf nicht übersehen werden, dass sich die Situation in den letzten beiden Jahren insgesamt deutlich verbessert hat. Jedenfalls ist die Sicherheitslage heute selbst in weiten Teilen der nördlichen Staaten an der Grenze zu den USA soweit wiederhergestellt, dass ausländische Investoren zurückkommen.

Ausländische Direktinvestitionen boomen

Im wirtschaftlich am besten entwickelten zentralen Korridor, der von Puebla über Querétaro, Guanajuato und weiter nach Norden bis Monterrey reicht und auf den sich ein Großteil der ausländischen Investitionen konzentriert, stellt sich die Sicherheitsthematik bei weitem nicht an oberster Stelle. Mir ist in 2 Jahren Erfahrung in Mexiko kein Fall einer Niederlassung bekannt, die wesentliche Nachteile durch organisiertes Verbrechen erlitten hätte. Ähnliches gilt für Geschäftsreisende. Vorsicht walten zu lassen, schadet jedoch keinesfalls.

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Webasto/Anderson-Cook

Mexiko hat in den letzten 3 Jahren ausländische Direktinvestitionen von 80 Mrd. US-D angezogen, und liegt damit um 50 % über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Klassisches Beispiel ist die Automobilindustrie: 2020 wird Mexiko viertgrößter Produzent – derzeit Nr. 7, seit einem Jahr vor Brasilien – und zweitgrößter Exporteur – derzeit Nr. 4 – von Kraftfahrzeugen sein. Größter Produzent von Flachbildschirmen und Kühlschränken ist Mexiko schon seit längerem. Bemerkenswert ist, dass im Zuge der Reindustrialisierung der USA viele Produktionswerke von Asien auf den amerikanischen Kontinent zurückkehren, viele davon nach Mexiko. Bestes Beispiel: Goodyear hat sich vor 15 Jahren aus Mexiko verabschiedet und kommt nun mit einer Milliardeninvestition zurück.

Kinugawa

Kinugawa

All das wäre wohl undenkbar, wenn es ein allgemeines gravierendes Sicherheitsproblem gäbe. Ganz ohne dieses würde Mexiko zweifellos noch attraktiver für ausländisches Kapital sein. Trotzdem: das Lohnniveau ähnlich China, an der Türe zum größten Konsummarkt der Welt, eine junge arbeitswillige Bevölkerung und eine der offensten Volkswirtschaften der Welt mit Freihandelsabkommen mit 45 – bald über 50 – Ländern, machen Mexiko zum derzeit attraktivsten Produktionsstandort am amerikanischen Kontinent.

„Mexiko – das neue China?“ Von den Dimensionen her wohl ein bisschen überzogen, aber mehr als ein hohles Schlagwort ist es jedenfalls.

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