Wie geht es den Niederlassungen österreichischer Firmen in China?

Die AußenwirtschaftsCenter der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA befragen seit 4 Jahren die österreichischen Niederlassungen in China zur Einschätzung des wirtschaftlichen Umfelds.

Die Umfrage bestätigt, dass China weiterhin ein attraktiver, jedoch anspruchsvoller Wirtschaftsraum ist.

Koordiniert wird die landesweite Umfrage vom Wirtschaftsdelegierten in Peking, Dr. Martin Glatz. Die aktuelle Ausgabe von „Austria in China“ – der Business Confidence Survey 2015 haben wir im November 2015 beim Austria Connect Greater China in Chengdu vorgestellt. Ich habe mit meinem Kollegen Martin Glatz über die Ergebnisse der aktuellen Umfrage gesprochen.

 

Christina: Martin, was ist die Kernaussage der aktuellen Umfrage?

Martin: Die Umfrage bestätigt, dass China weiterhin ein attraktiver, jedoch anspruchsvoller Wirtschaftsraum ist. Trotz des inzwischen langsameren Wachstums beurteilen die teilnehmenden österreichischen Unternehmen die Zukunft des chinesischen Marktes durchwegs positiv. Gleichzeitig steigt jedoch im Rahmen des sich ändernden wirtschaftlichen Umfelds und des Strukturwandels die Unsicherheit. Diese Entwicklung spiegelt sich unter anderem in den Investitionsplänen der Unternehmen wider. Knapp drei Viertel der Umfrageteilnehmer planen, ihre Investitionen in China zumindest stabil zu halten, wobei 27% der Befragten innerhalb der nächsten beiden Jahre signifikante Neuinvestitionen planen. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt gleichzeitig vor dem Hintergrund der derzeit stattfindenden Umbrüche in der chinesischen Wirtschaft ein mit 40% recht hoher Anteil der Befragten noch unentschlossen.

 

Martin Glatz, AußenwirtschaftsCenter Peking und Christina Schösser

Martin Glatz, AußenwirtschaftsCenter Peking und Christina Schösser

Wagen unsere Niederlassungen auch einen Blick in die Zukunft? Was erwartest Du Dir in den nächsten 2 Jahren vom China-Geschäft?

Eine Mehrheit von 81% der befragten Unternehmen gab an, dass sie für die kommenden zwei Jahre ein Wachstum ihres jeweiligen Sektors in China erwarten. Dieser Wert ist niedriger als in den Vorjahren – 2012 wagten hier noch 92% eine positive Prognose, 2014 waren es 85%. Dieser Trend lässt erkennen, dass österreichische Firmen die Entwicklung Chinas durchaus kritisch verfolgen und realistisch an ihr Engagement in China herantreten.

 

Siehst Du gravierende Unterschiede zu den Ergebnissen der Vorjahre?

Es zeichnen sich einige Trends ab. Neben der eher abwartenden Haltung im Hinblick auf weitere Investitionen lässt sich beispielsweise auch ein steigender Konkurrenzdruck durch lokale chinesische Unternehmen erkennen: 2012 gaben rund ein Viertel der Unternehmen an, dass ihr größter Konkurrent auf dem chinesischen Markt eine lokale Firma sei, 2015 war dies bereits bei 40% der Fall. Rund 88% der Befragten bewerten den schärferen Wettbewerb durch ausländische und chinesische Firmen als signifikante Herausforderung für ihre Geschäftstätigkeit in China.

Übrigens ist die zunehmende Aktivität und steigende Konkurrenzfähigkeit chinesischer Unternehmen auch auf internationalem Parkett zu beobachten. Daraus entstehen neben Herausforderungen auch neue Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Unternehmen. Über ein Drittel der Umfrageteilnehmer nutzt diese Chancen bereits heute und arbeitet mit chinesischen Partnern in Märkten außerhalb Chinas zusammen. Ein weiteres Drittel hat das Potenzial erkannt und schätzt das zukünftige Kooperationspotential auf ausländischen Märkten als vielversprechend ein.

Auch ein weiterer Trend ist in der Umfrage klar erkennbar: China gewinnt als Absatzmarkt an Bedeutung. So nannten inzwischen bereits 73% der befragten Unternehmen die Anzahl der Konsumenten in China als sehr wichtigen Grund für die Standortwahl – 2014 waren es noch knapp unter 60%.

 

China ist also ein strategisch wichtiger, jedoch kein einfacher Standort und Markt. Welche Empfehlungen hast Du für österreichische Unternehmen im Chinageschäft?

China ist ein sehr komplexer Wirtschaftsraum. Das wirtschaftliche, rechtliche und internationale Umfeld für das Engagement in China hat sich im Laufe der letzten Jahre stark gewandelt. Österreichische Unternehmen müssen sich daher verstärkt mit den aktuellen Entwicklungen und den spezifischen Chancen und Herausforderungen in ihren jeweiligen Sektoren beschäftigen, um sich dem wandelnden Umfeld bestmöglich anpassen zu können. Die Nähe zum Markt ist jetzt wichtiger als je zuvor.

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