I love Iceland – Bericht aus Island | Teil 1

Von der schweren Bankenkrise hat sich die zweitgrößte Insel Europas erstaunlich rasch erholt.

Kleiner, feiner Markt im Nordatlantik

Island: Unendliche Weiten. Flächenmäßig zweitgrößte Insel Europas, mit rund einem Fünftel mehr Landfläche als Österreich und einer Bevölkerungszahl, die jener des Wiener Verständnisses von Transdanubien (Floridsdorf und Donaustadt zusammengenommen) entspricht.

Heimatland von Björk, spektakuläre Kulisse zahlreicher Film- und Fernsehproduktionen (Interstellar, Game of Thrones…) und Nation, die großteils an die Existenz von Elfen und Trollen glaubt – Zumindest laut einer Studie des Folkore Departments der University of Iceland.

Bekannt ist Island auch für die schwere Bankenkrise Ende der 00er-Jahre, von der sich die Wirtschaft erstaunlich rasch erholt hat. Die gute Entwicklung der letzten Jahre werde sich weiter fortsetzen, meinen die Analysten. Gute Nachrichten für mich, denn Island zählt zu meinem Betreuungsbereich. Der Markt ist klein, die Exportzahlen schwanken, vieles ist Projektgeschäft. Dennoch ein interessanter Markt mit ein paar großen und zahlreichen kleineren österreichischen Erfolgen.

Dienstreisen zur Kontaktpflege und Marktsondierung mache ich am besten außerhalb der Tourismus-Hochsaison, damit auch alle Gesprächspartner Zeit finden. Denn der Fremdenverkehr ist mittlerweile größter und schnellstwachsendster Wirtschaftszweig und hält viele Isländer neben ihren Tagesjobs auf Trab. So ist eine meiner ersten Gesprächspartnerinnen nicht nur Managing Director einer nationalen Organisation, sondern im Sommer auch Mountain Guide.

Drehscheibe Keflavik

Von Kopenhagen nach Island geht’s cheap and cheerful mit der ganz und gar pinken WOW Air – Eine isländische Budgetfluglinie, die im Winter übrigens Direktflüge nach Salzburg anbietet. Auch Isländer fahren gerne in Österreich Ski.

Exit through the gift shop

Exit through the gift shop

Ankunft am Flughafen Keflavik: Exit through the Gift Shop. Isländer und Touristen nutzen die Chance, im Arrival-Duty Free gleich neben dem Gepäcksband ihre Alkohollager steuerfrei aufzustocken, bevor sie die Hochpreis-Wildnis betreten. Ich kaufe als Mitbringsel die dort angepriesenen Mozartkugeln (!). Welcome to Iceland.

Einzige Verbindung nach Reykjavik ist die Straße. Schnellverbindung gibt es leider keine, dafür Pläne, die Hauptstadt mit der ersten Bahnstrecke Islands an den Flughafen anzuschließen. Die Machbarkeitsstudie ist fertig, nun werden Investoren gesucht. Die Eröffnung werde ich während meines Einsatzes im Norden aber wohl kaum erleben.

Projekte und Projektchen: Vom Superhospital zur Brillenanpassung

Im Shuttle Bus nach Reykjavik (ca. 45 Minuten Fahrzeit) gibt’s WiFi. Praktisch, denn ich möchte meinen ersten Termin wissen lassen, dass es etwas knapp werden könnte. Mein Flugzeug hatte Verspätung. Als der Busfahrer dies mitbekommt, beschließt er in isländischem Pragmatismus, mich samt Gepäck und allen anderen Passagieren noch im Bus bei der Büroadresse vorbeizubringen, anstelle mich beim Hotel abzusetzen. So nehme ich meinen ersten Termin mit Sack und Pack wahr, was meine Gesprächspartner gelassen beobachten. Einer von ihnen erzählt mir von seinen Trainingslagern in Österreich – Er war in seiner Jugend isländischer Slalomprofi.

Ich erhalte eine interessante Präsentation über ein Infrastrukturgroßprojekt im Gesundheitsbereich –  Kompakte Information, die ich österreichischen Firmen weiterleiten werde. Dann geht’s weiter ins Hotel. Der Wifi-Code dort lautet: ILOVEISLAND – unsicher, aber sympathisch. Über die kommenden Tage entdecke ich System: Im Cafe nebenan lautet der Code „iloveyou“, im Restaurant schließlich „lLOVEREYKJAVIK“.

Optiker Markus Klinger mit seinen Brillendesigns

Optiker Markus Klinger mit seinen Brillendesigns

Ich treffe den bereits lange in Island lebenden österreichischen Optiker Markus Klinger. Er betreibt auf der bei Touristen beliebten Haupteinkaufsstraße Laugavegur ein Brillengeschäft. Markus – Reduktion auf Vorname ist gestattet, in Island sprechen sich alle mit „Du“ an, selbst die Listung im Telefonbuch erfolgt nach Vornamen – war einer der ersten Optiker auf Island. Er fährt noch immer regelmäßig durchs Land, um den Einwohnern weniger besiedelter Gegenden Brillen anzupassen. Beim Verlassen des Lokals kommen wir mit anderen Passanten ins Plaudern – nicht unüblich in Reykjavik. Wir lernen eine Norwegerin mit Freund aus Kapfenberg kennen. Sie verspricht, am nächsten Tag in Markus Boutique zur Brillenprobe vorbeizukommen. So kommen Geschäfte zustande.

 

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