Still in love – Bericht aus Island | Teil 2

Der Tourismus boomt und ist der am schnellst wachsendste Wirtschaftssektor.

Mit Island Promotion zum Erfolg

Von den isländischen Naturschönheiten sehe ich während meines Aufenthalts nur wenig;  Meetingräume muten auf der ganzen Welt irgendwie gleich an. Aber die „Rauchbucht“ ist bei einem Kurzaufenthalt schon spektakulär genug.

Ein Handelsvertreter erzählt mir über die Geschäftsentwicklung österreichischer Spezialmaschinen und Bauplatten: Die Nachfrage ist aufgrund stärkerer Bauaktivitäten zuletzt wieder gestiegen. Mit unserer deutschsprachigen Vertrauensanwältin beschließe ich, den weiten Weg zwischen Island und Österreich virtuell abzukürzen und für österreichische Firmen ein Webinar über rechtliche Rahmenbedingungen zu organisieren. Und mit der Tourismusbehörde diskutiere ich den rasanten Zuwachs an Besuchern in Island, nicht zuletzt dank charmanter Inspired By Iceland Kampagnen. Die rund 330.000 Einwohner hatten es 2015 mit knapp 1,5 Mio. Touristen zu tun. Über die letzten Jahre ist der Tourismus jährlich mit knapp 200.000 Personen gewachsen, heuer sollen es sogar 300.000 Personen mehr werden. Alle lieben Island. Gut für die Wirtschaft, aber auch eine Herausforderung für die Infrastruktur. Einmal mehr ist meine Gesprächspartnerin Österreich-Fan und spricht fließend Deutsch. Bestimmt gibt es Potenziale für einen Know-How Austausch mit österreichischen Tourismus-Experten und Technologieanbietern.

Zwischen den Meetings halte ich mich mit Skyr am Laufen, ein traditionelles isländisches „low fat, high protein“ Milchprodukt, dessen internationale Nachfrage zuletzt so sehr explodiert ist, dass die limitierte Zahl an isländischen Milchkühen nicht mehr mit der Produktion nachkommt. Die Lücke in der Milchkuh-Infrastruktur schließen mittlerweile auch Produzenten außerhalb Islands, beispielsweise dänische Molkereien.

Ich besuche die Arbeitsbehörde und hole mir wichtige Informationen und Ansprechpartner über die Entsenderegelungen von Mitarbeitern nach Island. Dann treffe ich die Kollegen der Agentur Promote Iceland, die Handelsförderung und Investitionsagentur vereint. Island ist an einer wirtschaftlichen Diversifizierung interessiert, um die Abhängigkeit von Fischerei und Aluminiumproduktion zu reduzieren. Ich erfahre, wie Island seine Geothermie-Kompetenzen international zum Einsatz bringt, und dass es sich dank Wasserkraft und Geothermie-Ressourcen gut für energieintensive Produktion eignet. Aufgrund des kühlen Klimas ist es für große Datencenter attraktiv: Die Betriebskosten für Rechenzentren seien hier um 50% bis 70% geringer als in Europa. Auch auf der Drehortlandkarte der internationalen Filmindustrie ist Island aufgrund seiner spektakulären Landschaft und dank attraktiver finanzieller Anreize mittlerweile Fixpunkt . Während meines Aufenthalts dreht Hollywood rasante Autoverfolgungsjagden am tiefgefrorenen Myvatn See.

Austria inside

Auf dem Heimweg besuche ich das vom dänischen Architekturbüro Henning Larsen konzipierte Konzert- und Konferenzgebäude Harpa, dessen wunderschönes Fassadendesign vom isländischen Künstler Olafur Eliasson stammt. Und es ist „Austria inside“ – Waagner-Biro lieferte die gesamte Bühnentechnik für drei Säle und die beeindruckenden Akustiklösungen.

Noch rasch ein Store Check

Die größte Supermarktkette Bonus beeindruckt nicht nur mit knalligem Sparschweinlogo, sondern auch mit begehbaren Kühlräumen. Energie ist günstig, wozu sich also auf verschließbare Kühlregale beschränken. Dies gestaltet das Einkaufserlebnis allerdings etwas frostig. Ich entdecke österreichische Rum Kokos Kugeln, greife aber lieber bei diversen Lakritzelösungen zu; vor allem bei jenen, die in Schokolade gehüllt sind. Nomen est Omen: „Draumur“ – ein Traum von einem Schokoriegel. Aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass bei allen drei großen Süßigwarenproduzenten Islands österreichische Produktionstechnologie im Einsatz ist.

Anschließend noch ein Blick in den etwas karg wirkenden Weinmonopolshop, wo man aus einem überschaubaren Weinangebot auswählen kann. Laut Katalog sind auch einige österreichische Weine gelistet. Nach einiger Suche finde ich im Regal eine paar Flaschen und erkenne Verbesserungspotenzial.

Food and Fun für die Wintertouristen

Am letzten Abend erkunde ich noch das muntere freitagabendliche Treiben im Zentrum Reykjaviks. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen, und es steigt das „Food and Fun Festival“. Seit mittlerweile 15 Jahren zaubern isländische Köche gemeinsam mit ausgewählten internationalen Spitzenköchen „leistbare 4-Gänge Menüs mit isländischen Zutaten“. Das erste Festival war 2002 organisiert worden, um Touristen auch in den bis dahin wenig ausgelasteten kalten Wintermonaten nach Island zu locken. Mittlerweile stehen sowohl Chefköche als auch Touristen dafür Schlange. Nicht alle, die möchten, bekommen in der Küche oder als Gast einen Platz. Ich habe Glück und probiere mich durch alle Arten von eingelegtem Wintergemüse, Fisch und Eiscreme-Sandwich.

Am Samstag geht es dann mit der 8:00h Maschine wieder heimwärts. Ich missachte den Rat der Rezeptionistin, den Bus um 4:15h zu nehmen, um mehr als zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Es sei in Keflavik die ausgelastetste Zeit des Tages, meint sie mit ernstem Blick. Schalter und Security sind sind dann tatsächlich sehr busy für einen Samstagmorgen. Aber alles ist so gut organisiert, dass ich auch mit 1,5 Stunden genug Zeit habe, am strahlenden, weil neu renovierten Terminal noch mehr Lakritze zu besorgen. Zurück geht es mit Iceland Air. Weniger pink und etwas gediegen, dafür mit Free Wifi, Entertainment System und einem gratis Becher Wasser an Bord. Takk Ísland, sjáumst fljótlega aftur!  (Danke Island und auf bald!)

1 comment

  1. Monika Schlapsi
    Reply

    Liebe Cosima,
    nach diesen interessanten und amüsanten Berichten bekommt man richtig Lust, Island zu besuchen (nur die Lakritze lockt mich nicht wirklich – die konntest du mir schon in Kopenhagen nicht schmackhaft machen ….). Hab jedenfalls ein paar interessante Details über Island erfahren und freue mich schon auf die nächsten Beiträge.

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