Faisal Awadallah unser AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA Mann im Sudan

Faisal Awadallah ist seit 1987 für die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA und die österreichischen Firmen im Sudan tätig. Seit der Schließung der Außenhandelsstelle 1990 ist er als Konsulent für das für Sudan zuständige AußenwirtschaftsCenter Kairo und somit für alle österreichischen Wirtschaftsanliegen aktiv.

Faisal Awadallah hilft wann, wo und wie er kann und hat durch seine exzellenten Beziehungen auch schon die Freilassung von einem Österreicher, der wegen Spionage und Kontakte mit Rebellen angeklagt worden ist, erwirkt. 5 Fragen an unseren Mann im Sudan mit enormen Erfahrungsschatz und großem Einsatz.

Sudan Konsulent Faisal Awadallah mit Martin Woller

Faisal Awadallah mit Martin Woller

1) Wie bist du Konsulent für die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA (die österreichische Handelsabteilung) im Sudan geworden?

Durch einen glücklichen Zufall und wie in der Region üblich durch Beziehungen. 1987 hatte mein Schwager, der Geschäftsführer der Firma Gum Arabic Co. im Sudan war, ein Meeting mit Peter Rattinger, dem österreichischen Handelsdelegierten im Sudan. Herr Rattinger informierte meinen Schwager, dass er einen Marketing Officer suche und fragte nach einem Vorschlag. Nach einem Vorstellungsgespräch wurde ich von Herrn Rattinger angestellt und arbeitete bis 1990 in der Außenhandelsstelle in Khartum. Als das Büro geschlossen wurde, wurde ich von Heinrich Kaufmann, dem Handelsdelegierten in Kairo, als Konsulent für den Sudan angestellt. Seither konnte ich mit fünf weiteren Handels- bzw. Wirtschaftsdelegierten, namentlich Martin Glatz, Rudolf Lukavsky, Kurt Altmann und nunmehr Martin Woller für die österreichischen Firmen zusammenarbeiten. Ich habe mir nie vorgestellt, dass ich mit der österreichischen Handelsabteilung für über 25 Jahre arbeiten und unzählige Erfahrungen mit österreichischen Firmen sammeln würde.

2) Was waren deine größten Herausforderungen in deinen 25+ Jahren als Konsulent?

Die größte Herausforderung in meiner Karriere war und ist die Einholung korrekter und aktueller Informationen und Statistiken, die für die österreichischen Firmen nützlich sind. Im Sudan als Entwicklungsland sind gute Informationsquellen fast nicht verfügbar. Mit der Verschlechterung der staatlichen Informationsquellen begann ich meine eigene Datenbank aufzubauen. Die verschiedenen Bereiche inkludierten wirtschaftliche und kommerzielle Aktivitäten, Industrie, Import-Export, Rechtsinformationen usw. Ich bin natürlich auch im Kontakt mit den nichtstaatlichen Organisationen wie z.B. Handelskammer, Industriekammer, Verband der Arbeitgeber und Unternehmer, sowie den verschiedenen UN Agenturen und internationalen Organisationen im Sudan. In den letzten Jahren hat auch das Internet beim Aufbau und der Erweiterung meiner Datenbank eine wesentliche Rolle gespielt.

3) Was für einen Ruf bzw. welches Image haben Österreich und die österreichischen Unternehmen im Sudan?

Seit der Unabhängigkeit des Sudans wurde Holz aus Österreich importiert. In den fünfziger Jahren wurde auch eine Fußballmannschaft „Alnimsa“ (Österreich) genannt, deren Trikots rot/weiß/rot waren. Sudanesische Importeure schätzen an den österreichischen Produkten die hohe Qualität. Das Image ist also sehr gut, natürlich spielt der Preis im Sudan aber eine große Rolle.

4) Welche drei Erfolgsgeschichten österreichischer Firmen im Sudan kannst du uns nennen?

Die erste Erfolgsgeschichte betrifft die österreichischen Holzexporteure, die seit über 60 Jahren den sudanesischen Markt dominieren, trotz der starken Konkurrenz von osteuropäischen Exporteuren.

Die zweite Erfolgsgeschichte betrifft Andritz Hydro und Andritz Pumps. Andritz Hydro (früher VA-TECH) lieferte bereits 1968 Maschinen für den Roseires Damm und hat Anfang der neunziger Jahre die Erneuerung der Schleusentore vom Roseires Damm durchgeführt. Auch die Matrixturbinen für das Jebel Awlia Wasserkraftwerk stammen von Andritz Hydro. Seit Ende der siebziger Jahre werden Andritz Pumpen importiert, die bis heute jeder sudanesische Bauer kennt. Große Landwirtschaftsprojekte wie Bunzuga, Alazazi & Nur Eldin wurden und werden immer noch mit Andritz Pumpen bewässert.

Die dritte Erfolgsgeschichte im Sudan betrifft die Firma Rosenbauer, die weltweit für ihre Feuerwehrfahrzeuge und Ausrüstungen bekannt ist. Rosenbauer ist seit Jahrzenten auf dem sudanesischen Markt präsent. Die Feuerwehr benutzt bis heute Feuerwehrfahrzeuge, die in den achtziger Jahre produziert worden sind.

5) In welchen Bereichen sollen österreichische Firmen Ihre Geschäftschancen im Sudan verstärkt wahrnehmen?

In den Bereichen Landwirtschaft und Bergbau. Sudan ist ein landwirtschaftlich geprägter Staat und hat fruchtbaren Boden, genug Wasser und ein für die Landwirtschaft vorteilhaftes Klima. Die ölreichen arabischen Länder betrachten den Sudan als den besten Staat für landwirtschaftliche Investitionen, auch um sich nicht nur auf die eigene Ölproduktion zu verlassen. Dies sieht man in den Großverträgen mit der Regierung über den Bau von Dämmen für Bewässerung und Energieversorgung sowie zur Bewirtschaftung von großen Flächen für den Anbau von Weizen, Alfalfa, Sonnenblumen, Mais, Hibiskus und Erdnüssen. Österreichische Firmen können versuchen sich an diesen Projekte zu beteiligen bzw. zuzuliefern.

Der Sudan ist eine Goldgrube für Investitionen im Bergbau. Vormals war natürlich Öl und Gas dominant. Nachdem die meisten Ölreserven mit der Unabhängigkeit des Süd-Sudans nicht mehr zugänglich sind, zeichnet sich der Sudan durch seinen Reichtum an Gold, Chrom, Glimmer, Kupfer und Silber aus. Der Sudan ist hinter Ghana und Südafrika bereits der drittgrößte Goldproduzent auf dem afrikanischen Kontinent. Bis 2018 strebt der sudanesische Bergbauminister den ersten Platz für sein Land an. Österreichische Firmen hätten gute Geschäftschancen als Investoren oder Lieferanten von Werkzeugen und Ausrüstungen im Bergbaubereich.

Zum Abschluss: Wie siehst du die Wirtschaft und den Handel in der nahen Zukunft im Sudan?

Im Sudan ist die Wirtschaft mit der Politik stark vernetzt. Seit 1999 leidet der Sudan unter Sanktionen und dem Embargo. Diese Sanktionen haben natürlich starke negative Auswirkungen, vor allem auf Bankgeschäfte. Ich hoffe auf eine Aufhebung der Sanktionen, sodass sich das wirtschaftliche Umfeld entsprechend bessern kann.

Kompakte Informationen zum Sudan finden Sie auf wko.at 

 

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