Mode jenseits von Kommissarin Lunds Wollpullover

Ein Blick auf dänischen Cycle-Chic - Zuzüglich stilsicherem Gastbeitrag

Top-Designs gibt's auch außerhalb der Hauptstadt: Präsentation der Design-Schule Kolding

Top-Designs gibt’s auch außerhalb der Hauptstadt: Präsentation der Design-Schule Kolding

Trifft sich in Zeiten wie diesen (Winter is Coming!) eine Runde Nicht-Däninnen und Nicht-Dänen zum sozialen Austausch, werden am liebsten das schwindende Tageslicht, der heftige Wind und horizontaler „Nieder“schlag diskutiert, gefolgt von der Notwendigkeit des Anzündens von Kerzen (Hygge!!) und das Phänomen des dänischen Hangs zu besonders dunkler Kleidung. Letzteres mutet beim hohen Fahrradaufkommen und den wenigen Winterlichtstunden paradox an – Sollte man sich nicht bemühen, im Straßenverkehr gesehen zu werden und den dunklen Wolken mit Neonfarbpalette trotzen? Und irgendwann fällt dann noch das wissende: Ah, these Danes – Dressed in pitch black, anthrazit and 50 shades of grey.

Bei all dem Anschein von Monochromismus: Dänemark ist Design Hochburg. Das schlägt sich nicht nur bei Möbeln, Beleuchtungskörpern und Interieur sondern auch im Kleidungsstil nieder – Zwar oft kaum farbbetont, aber stilbewusst, ausgefallen und kein bisschen dem Zufall überlassen. Im Norden gibt es bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur suboptimale Kleidung. Das Spektrum dessen, was unter Sensible Clothing fällt, umfasst nach dänischer Interpretation durchaus auch High Heels (laut Däninnen wahnsinnig bequem zum Radeln) und die neuesten asymmetrischen Scandi Style Trends.

Gemeinsam mit anderen skandinavischen Labels machen dänische Designerinnen und Designer seit den 90ern den internationalen Aufstieg der nordischen Mode mit. Kopenhagen ist jährlich Austragungsort der Copenhagen Fashion Week – Skandinaviens bedeutendste Modewoche. Dänische Top-Models wie Freja Beha Erichsen oder Caroline Brasch Nielsen präsentieren die neuesten Trends – vor allem aus der Heimat.

Neben weltbekannten Design-Größen besticht Dänemark auch mit kecken jungen Mode-Labels. Insbesondere auf Kopenhagens innovativem Pflaster tragen Hipster neue Marken zur Schau. Ein paar der 2016 angesagtesten Namen sind auf der Highsnobiety-Liste der 20 Danish Brands Every Highsnobiety Reader Should Know von 2015 noch nicht zu finden. Mehr dazu berichtet das stilsichere AußenwirtschaftsCenter Kopenhagen Team-Mitglied Tobias Gebetsberger in seinem Blog-Gastbeitrag.

Und bevor er das tut, noch ein Anspieltipp: „Cycle Chic ®“, der Fashion Blog rund um die ansehnlichen Kopenhagenerinnen und Kopenhagener auf ihren Drahteseln… so schick und dabei so unaufgeregt kann fahrradtaugliche Kleidung sein.

Und nun teilt Tobias Gebetsberger seine Einblicke in die dänische Modewelt…

Dass Mode und Design Teil des dänischen Alltags ist, sieht man gleich nach Landung am Flughafen Kastrup. Abgesehen von einer Reihe stylisher Boutiquen (nicht umsonst wurde der Flughafen mehrmals für sein Shopping-Erlebnis ausgezeichnet), sticht der individualistische Bekleidungsstil der Däninnen und Dänen sofort hervor. Irgendwie sehen sie hip, lässig, entspannt aus. Ob bei Schlechtwetter (Mark Rains), am Fahrrad, in der Arbeit oder beim Joggen: Das Outfit wirkt harmonisch, durchdacht und anziehend.

Mit Arne Jacobsen, Hans Wegner oder Finn Juhl kommen einige der Urväter des modernen Designs aus Dänemark und prägen die DNA der Däninnen und Dänen. Dennoch ist es nicht ganz so verständlich, warum es genau in Dänemark derart modebewusste Menschen gibt. Weder schönes Wetter noch besonders historisch romantische Gründe, die man vielleicht in Mailand oder Paris als (Mit)Ursache für den Hang zu Mode und Design vermuten würde, liegen auch in Dänemark auf der Hand. Es könnte aber einfach die Mentalität sein – abgesehen von den genetischen Vorteilen im Durchschnitt groß und schlank gebaut zu sein.

Dän(in)en traun’ sich was!

Dänemark ist eben ein Land der Seefahrer(innen) und der bereisten Leute. Nach der Matura nehmen sich die jungen Däninnen und Dänen ein, zwei oder sogar mehrere Jahre Auszeit und bereisen die Welt, um Eindrücke zu sammeln. Mit eben diesen Eindrücken und Prägungen im Retourgepäck wirken dann die bekannten Jeans und Sneakers zuhause oft nicht mehr ganz so attraktiv. So versuchen sich viele Junge nicht selten selbst als Modeschöpfer und kreieren – gerne im hippen co-workingspace oder shared Designstudio – eben ihre eigene Kleidung. Und nicht wenige davon haben es zu internationalem Erfolg geschafft.

Zeitlos schön – aber nicht nur Schwarz und Weiß

Zwar gehören einfärbige Sneakers aller Art, schwarze Chinos und ein weißes Hemd oder T-Shirt zum dänischen Standardrepertoire, aber das ist eben nur eines von vielen Outfits. Grundlegend ist der Stil schlicht und elegant. Beispiele dafür sind Mads Nørgaard oder Samsøe Samsøe – Mode, die sowohl im Büro (dänisches Büro wohlgemerkt; in Österreich herrscht ja nicht selten noch Krawattenpflicht) als auch abends in der Bar gut aussieht. Ein Level darüber (preislich als auch von Raffinesse her) ist das Label der etablierten Designer Malene Birger oder Henrik Vibskov. Für die vielen hippen Szenelokale, Bars und Restaurants sind Marken wie LibertineLibertine und Norse Project (a brand of the cold cold north – cooler Slogan) ideal.

Made in Denmark alleine ist aber natürlich kein Erfolgsgarant. Wer nicht innovativ ist, muss ums Überleben kämpfen, selbst wenn man klingende Namen hat wie Bruuns Bazar oder Noa Noa.

Besonders schnell geht es zur Zeit bei zwei innovativen Projekten: „No black allowed“, traut sich das Label No Nationality NN07 aus Kopenhagen gegen die sonst sehr ausgeprägten schwarz-weiß Kollektionen mit einer neuen Linie von casual Basics, die sich relativ simpel zu coolen Freizeit- oder auch legeren Business-Outfits kombinieren lassen. Nach dem Motto perfect is boring tragen die Models vom Wind zerzaustes Haar und leicht ungepflegten Bart – passt aber natürlich in der Gesamtheit wieder voll und ganz. Die ambitionierten Expansionspläne des jungen Unternehmens werden nun vom schwedischen Investor Fidelio Capital unterstützt.

Ebenso hoch ist das Tempo beim Modelabel Les Deux. Nachdem der 27-jährige Jungnternehmer Andreas von der Heide einen lukrativen Intersport Deal an Land gezogen hat, nimmt der frisch gebackene Juraabsolvent am 48-Stunden Lauf durch das 218 Kilometer lange Death Valley teil – eingekleidet selbstverständlich in der eigenen hippen Sportkollektion seiner ursprünglich preppy-street Linie. Dies zeigt: Auch bei Les Deux wird munter darauf loskombiniert, der Erfolg liegt also in der Vielseitigkeit.

Urban Streetstyle made in Copenhagen

Dem eher legeren Mode-Stil hat laut Fashion-Experten auch die Finanzkrise geholfen. Denn nachdem der wirtschaftliche Boom dem high-life New Yorker Black-Suit Stil Aufschwung gegeben hatte, war es nach dem Crash nicht mehr ganz so schick, wie eine Top-Anwältin auf dem Weg zum Klienten oder ein Wall-Street Hai durch die Straßen zu spazieren. Viel mehr sympathisiere man seither mit dem Bild des/der Mittelklasse-Arbeiter(in). Auf den dänischen Alltag umgesetzt: Tätowierungen, Vollbärte und Kettlebells/ Crossfit-trainierte Körper sind bei den Männern ein Muss. Die Damen sind nicht selten mit Yoga-Pants, Jeansjacke und “bad hair” (leicht zerrupfte Frisur die aber doch perfekt passt) unterwegs. Genau diesen Stil verkörpern Brands wie Han Kjøbenhavn oder LeFix. Bei stolzen 200 EUR Preisen für ein „working class“ Hemd.

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