HOWDY aus Texas – voestalpine eröffnet in Corpus Christi die größte Investition eines österreichischen Unternehmens in den USA

Erinnerungen an die Entstehungsgeschichte der weltweit modernsten und größten Direktreduktionsanlage.

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voestalpine Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eder (2.v.r.) und voestalpine Texas CEO Bernhard Schlattl (2.v.l.) im Kreis der Festredner

Es ist österreichischer Nationalfeier-tag und ein strahlender Tag in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und USA. voestalpine AG eröffnet die weltgrößte und modernste Direktreduktions-anlage in Corpus Christi am Golf von Mexico. Ich sitze im voestalpine-Shuttle und fahre zur Eröffnungsfeier. Von weitem ist bereits das Herzstück der Anlage sichtbar : Der Reduktions-turm ragt wie ein Hightech-Wahr-zeichen in den blauen Himmel und ist so hoch wie der Stephansdom. Er hält Hurricans mit Windgeschwindigkeiten bis zu 385 Meilen pro Stunde stand. Der verbaute Bewehrungsstahl ist schwerer als der Eiffelturm. Eine Erd-menge von knapp hundert olympischen Schwimmbecken wurde bewegt. Für das gewaltige Fundament wurden Betonmischer aufgefädelt auf einer Länge von 82 Kilometer benötigt.

Die Direktreduktionsanlage ist die größte Greenfield Investition eines österreichischen Unternehmens in den USA und die größte Auslandsinvestition des voestalpine Konzerns. „Wer auch morgen noch einen Schritt voraus sein will, muss schon heute die richtigen Entscheidungen für eine erfolgreiche Zukunft treffen“, steht in der Einladung. Und : „Das Projekt ist ein weiterer Meilenstein bei der Sicherung der führenden Position als Technologie- und Industriegüterkonzern mit eigener Stahlbasis“. Als Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles und zuständig auch für Texas, habe ich ein Hollywood-erlerntes Faible für Awards und Superlative. voestalpine wurde mit dieser herausragenden Investition bereits 2014 mit dem WirtschaftsOskar des AußenwirtschaftsCenter Los Angeles für Spitzenleistungen österreichischer Unternehmen in den USA in der „Kategorie Investition“ prämiert.

Bei den Festansprachen von Port of Corpus Christi CEO John LaRue, San Patricio County Judge Terry Simpson und Texas Secretary of State Carlos H. Cascos kommen Erinnerungen an die Anfänge dieses innovativen Projektes. voestalpine hatte weltweit siebzehn Standorte in acht Ländern auf dem Standortradar. In die weltweite Standort-suche waren mehrere AußenwirtschaftsCenter der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA eingebunden. In der Endauswahl lagen schließlich nur mehr Trinidad, Kanada und in den USA die Bundes-staaten Louisiana und Texas im Rennen, und damit die AußenwirtschaftsCenter Chicago (für Louisiana) und Los Angeles (für Texas).

Bei der Identifizierung von Standorten in Texas war von Vorteil, dass ich Texas schon mehrmals dienstlich besuchte und Kontakte zur Administration in der Hauptstadt Austin hatte. Auch besuchte ich mit dem damaligen österreichischen Botschafter Christian Prosl den Präsidentschaftskandidaten und damaligen Gouverneur Rick Perry. Das lockere Gesprächsklima und die bestickten Cowboystiefel habe ich noch in guter Erinnerung. Zentrale Themen waren das breite Engagement österreichischer Unternehmen in Texas und die Investitionsattraktivität von Texas. Dieses Netzwerk erleichterte es, den Ball wie in einem Football Match auf das Büro des Gouverneurs zu spielen und sofort einen Touch Down zu erzielen. Das Büro des texanischen Gouverneurs wirbt mit dem Slogan „Texas wide open for Business“ und bot sich als erste Anlaufstelle für die Selektion möglicher Standorte an. So waren beispielsweise ein offener Meereszugang und Verfügbarkeit von Erdgas ein Muss im Kriterienkatalog. Unter den elf Locations mit Tiefseehäfen entsprachen in Texas letztlich fünf Standorte den Vorgaben.

Roter Teppich

Das erste Treffen der voestalpine-Delegation mit den ‚Location Scouts‘ Matthias Pastl, voestalpine Texas CTO Erich Pizzera und CEO Bernhard Schlattl fand im Februar 2012 in der texanischen Hauptstadt statt. Texas Secretary of State Esperanza „Hope“ Andrade rollte für die potentiellen Investoren aus Linz den roten Teppich aus und machte von Beginn an klar, dass Texas mit seinem Slogan „Wide open for Business“ ist und das Investment hochwillkommen ist. Das Governor‘s Office präsentierte fünf Vorschläge, die in den Folgetagen besucht wurden. Bei jeder Besichtigung wiederholte sich der rote Teppich. Da sich ein Riesengrundstück am besten aus der Luft ansieht, kamen auch Helikopter zum Einsatz. Nach der Besichtigung von möglichen Standorten rund um die Welt machte Texas und letztlich Corpus Christi, das Rennen um die begehrte Investition. Ich gewann gleich zu Beginn den Eindruck, dass unter den Kandidaten der Endrunde Texas ein großer Favorit der voestalpine-Delegation war. Ausschlaggebend waren neben Kriterien wie Infrastruktur, Energie und Rechtssicherheit das ehrliche Bemühen aller Beteiligten und die hemdsärmelige, offene texanische Art. Bei Projekten dieser Größenordnung ist immer die zeitgerechte Abwicklung und das Einholen der zahlreichen Genehmigungen kritisch. Das voestalpine-Team machte dabei von Beginn an einen perfekten Job und informierte laufend und umfassend alle Beteiligten in allen Projektstufen über das Projekt. Zeitraubende Einsprüche kamen im Laufe des Genehmigungsprozesses damit gar nicht erst zustande.

 

Spatenstich 2014 – “Welcome to Iron Making of the 21st Century”

voestalpine Chef Wolfgang Eder bei der Spatenstichfeier

voestalpine Chef Wolfgang Eder bei der Spatenstichfeier

Am 23. April 2014 fand die Spatenstichfeier unter dem Motto „We dig South Texas“ statt. voestalpine Chef Wolfgang Eder stand damals vor der Tafel zum Festzelt mit dem Hinweis „Welcome to Iron Making of the 21st Century“. Heute ist das alles in Natura zu bestaunen. Der gigantische Reduktionsturm. Die Wasseraufbereitungsanlage für einen Tagesbedarf von zehn Millionen Gallonen Liter. Die riesige Lagerhalle, die größte in Süd-Texas. Das ausgeklügelte Transportsystem. Der Tiefseehafen kann Schiffe mit 120.000 Bruttoregistertonnen löschen. Die Fahrrinne wurde dafür um 70 Millionen USD ausgebaggert. Am Dock stehen zwei High-Performance Kräne, die einzigen ihrer Art in den USA. Die Anlage beschäftigt ca. 200 Mitarbeiter. Das Areal bietet noch viel Raum für Expansion. voestalpine war mit dem Bau dieser modernen Direktreduktionsanlage ihrem Grundsatz „ONE STEP AHEAD“ treu : Diese richtungsweisende Innovation ermöglicht die Dekarbonisierung der Stahlproduktion.

 

US-Präsident Barack Obama lobt voestalpine Engagement

Voestalpine-Einladung

Voestalpine-Einladung

Der amerikanische Präsident Barack Obama hob vor Jahren bei der Investitionskonferenz in Washington D.C. das Engagement der voestalpine in den USA vor globalen Top-Investoren besonders hervor. voestalpine ist ein Big Player in den USA. voestalpine betreibt im NAFTA-Raum 69 Standorte, allein 49 in den USA. Energie, Bahn und Automotive sind die Top Umsatzträger. Von den konzernweit 48.500 Mitarbeitern sind über 2.200 in den USA beschäftigt. Der NAFTA-Raum steht neben China im Fokus der globalen Expansion der voestalpine. Die Umsätze lagen im Geschäftsjahr 2015/16 bei 1,2 Mrd. Euro, davon eine Milliarde in den USA. 2020 liegt das Umsatz-Ziel bei drei Milliarden Dollar im NAFTA-Raum.

 

Zwei Milliarden USD Austro-Investitionen in Texas

Texas ist unter den US-Bundesstaaten die Nr.1 bei ausländischen Direktinvestitionen (FDI). Im Zeitraum 2003 bis August des Jahres zog Texas 52,7 Milliarden USD FDI an.

Texas Secretary of State Esperanza Andrade, Michael Treyger vom Office of the Governor (re.) und Wirtschaftsdelegierter Rudolf Thaler

Texas Secretary of State Esperanza Andrade, Michael Treyger vom Office of the Governor (re.) und Wirtschaftsdelegierter Rudolf Thaler

Mehr als die Hälfte der Investoren kommen aus Westeuropa. Im gleichen Zeitraum investierten in Texas österreichische Unternehmen zwei Milliarden USD. Das österreichische Engagement in Texas ist mit etwa dreißig Niederlassungen branchenmäßig breit gestreut – insgesamt gibt es in den USA 600 bis 700 österreichische Niederlassungen. Neben WirtschaftsOskar-Preisträger voestalpine sind auch eine Reihe anderer Preisträger in Texas aktiv : So kaufte beispielsweise die steirische ams AG um 220 Mio. Euro den texanischen Chiphersteller Taos. Der Vorarlberger Verpackungsspezialist ALPLA produziert im Lone Star State. Das Wiener Startup opvizor übersiedelte nach seinem Silicon Valley Debut zu seinem Risikokapitalgeber nach Houston. Weltmarktführer SBO für Hochpräzisionsteile für die Oilfield Service Industrie ist mit Standort Houston im Zentrum der Erdölindustrie. Skidata eröffnete ein F&E-Zentrum in Dallas. Firma Geislinger ist mit seinen Kupplungen in 80 Prozent der Fracking-Pumpen installiert.

 

BREAKING NEWS

Das voestalpine-Projekt strotzt vor Superlativen. Es macht einfach Spaß darüber zu schreiben. Deshalb wiederhole ich sie CNN like als BREAKING NEWS +++voestalpine eröffnet die weltweit modernste und größte Direktreduktionsanlage in Corpus Christi+++Das 740-Millionen-US-Dollar-Projekt ist die größte Auslandsinvestition des voestalpine Konzerns und das größte Investment eines österreichischen Unternehmens in den USA+++ voestalpine wurde mit diesem Projekt zum WirtschaftsOskar-Preisträger 2013+++

Blick auf Corpus Christi und Bay

Blick auf Corpus Christi und Bay

Beim Abheben der Maschine werfe ich noch einen Blick auf Corpus Christi und sehe in der Ferne noch schemenhaft den Reduktionsturm. Es war ein unvergesslicher Moment bei diesem historischen Ereignis der österreichisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen dabei gewesen zu sein. Ein cooles Gefühl, dieses Vorzeigeprojekt in „meinem“ Betreuungsbereich zu haben. Jetzt widme ich mich der Frage meiner Sitznachbarin aus Austin, die mich nach österreichischen Produkten in den USA befragt. Über voestalpine-Schienen, Weichen und Hot Iron Briquetts ist sie bereits gebrieft und dass sie in ihrem Auto mit voestalpine-Spezialblechen geschützt ist J HOWDY !

To be continued.

AußenwirtschaftsCenter Los Angeles
Rudolf Thaler auf Twitter.

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