Nicaragua und Österreich: Geheimtip Spital

Welche Freude ein Soft Loan bewirken kann

Ein Fest der Freude: die Eröffnung der Mutter-Kind-Notfallaufnahme im Hospital Bertha Calderon in Managua

Nicaragua – arm, aber auf gutem Wege

Nicaragua ist bekanntlich eines der ärmeren Länder Zentralamerikas. Das Pro-Kopf-Einkommen zu Kaufkraftparitäten liegt bei USD 5.700, Tendenz steigend. Politisch stabil entwickelt sich das Land still und leise in den letzten Jahren besser als der Durchschnitt der Region. Selbst wenn der Partner Venezuela in der Krise steckt und das Megaprojekt eines transozeanischen Kanals unter chinesischer Patronanz jedenfalls vorerst nicht vom Fleck kommt, wächst Nicaraguas Wirtschaft konstant rund um 4 %, getrieben von Landwirtschaft (u.a. Kaffee), Investitionen, Tourismus, Sachgütererzeugung und Bergbau. Ein kleines schlafendes Paradies, ein im Vergleich zu vielen Nachbarn sicheres Land. Regiert von der linksgerichteten sandinistischen Bewegung unter Präsident Daniel Ortega und seiner Frau Rosario Murillo. Das Land hat Nachholbedarf auf vielen Ebenen. Die Armut vor allem in ländlichen Gebieten ist eine große Herausforderung. Im Kontrast dazu die Hauptstadt Managua – noch grüne Insel, jedoch mit augenfällig zunehmendem Verkehrsaufkommen in letzter Zeit und mit sichtbarer Bautätigkeit an allen Ecken und Enden.

Bisher bescheidene Lieferungen im Aufwind

Die traditionellen Lieferungen aus Österreich bewegen sich auf einem bescheidenen Niveau von etwas über 2 Mio. Euro pro Jahr, die Handelsbilanz ist weitgehend ausgeglichen. Österreich liefert ein bisschen pharmazeutische Erzeugnisse, Energy Drinks und gelegentlich Maschinen. Nicaragua liefert Kaffee und Bekleidung um jeweils rund 1 Mio. Euro.

2016 stiegen unsere Exporte mit einem Schlag um das 2,5-fache auf 6 Mio. Euro.

Das kleine Geheimnis dahinter und was noch nachkommt, will ich heute hier lüften: 3 Spitalsprojekte in Managua, 2 davon mit Softloan-Finanzierung aus Österreich, tragen dazu bei, die Gesundheitsversorgung der Bewohner von Managua und Umgebung auf einen hohen Standard zu bringen. Bei 2 Projekten geht es um die medizinische Ausstattung, bei einem um die Energieversorgung aus erneuerbarer Quelle.

Wichtige Projekte zur Modernisierung des Spitalswesens

Mit Hilfe von  Soft Loans konnten 2 international renommierte österreichische Firmen 3 wesentliche Aufträge zur Modernisisierung des Spitalswesens in Nicaragua an Land ziehen: VAMED aus Wien und SOLID aus Graz. Das erste Projekt ist fertiggestellt und übergeben, das nächste Projekt in der Endphase des Baus und das Dritte  vor Montagebeginn in diesen Tagen.

Hospital Bertha Calderon

Fotos: (c)VAMED

VAMED hat mit Softloan-Finanzierung im Wege der Raiffeisenbank die Notfallaufnahme und die Röntgenabteilung des Mutter-Kind-Spitals Bertha Calderon in Managua neu geplant, gebaut und ausgestattet. Das Projektvolumen beträgt 5,5 Mio. Euro. Es ist die derzeit modernste Schwangerschaftsklinik Nicaraguas und stellt für die ärmsten Schichten der Bevölkerung einen Riesenschritt  zur Vorsorge und Behandlung insbesondere auch von Risikoschwangerschaften dar.

Feierliche Eröffnung

Am 20.4. fand die offizielle Eröffnung mit Gesundheitsministerin Dra. Sonia Castro statt. Ich durfte an der Seite der Ministerin an der sehr feierlichen Zeremonie im Zelt vor dem neuen Spitalsbau als offizieller Vertreter Österreichs teilnehmen. Gleichzeitig warteten schon die ersten Patientinnen im Inneren auf ihren Behandlungstermin. Und es gab von allen Seiten Dank und Anerkennung an Österreich für die finanzielle Unterstützung des Projekts mittels eines Soft Loans.

Soft Loan, aber wie? Ende gut, Alles gut

Anmerken muss ich dazu, dass es eine gute Zeit gebraucht hat, um die Finanzierung auf die Beine zu stellen und bis Nicaragua selbst die Voraussetzungen geschaffen hatte, um überhaupt eine solche Finanzierung annehmen zu können. Und umso schöner und beeindruckender war dann, das Ergebnis zu sehen. Für meine Leserinnen und Leser mit Spanischkenntnissen hier noch ein Link zur vielbesuchten Pressekonferenz mit der Gesundheitsministerin. Für mich war das in Anzug und Krawatte bei 39 Grad gefühlter Aussentemperatur und hoher Luftfeuchtigkeit auch ein besonderes Erlebnis, das man nicht so leicht vergisst.

Hospital Occidente

Fotos: (c)VAMED

Nach der Eröffnungszeremonie im Bertha Calderon führte mich Frau Dr. Sonia Castro zum nächsten Großprojekt: die Baustelle des Hospital Occidente.

Wettlauf mit der Zeit

Im Konsortium mit 2 Baufirmen aus Nicaragua liefert VAMED die Einrichtung und medizinische Ausstattung, schlüsselfertig. Finanziert wird das 300-Betten-Projekt über internationale Entwicklungsbanken. Ursprünglich bekam eine holländische Firma den Auftrag. Nachdem diese in Konkurs ging, übernahm VAMED deren Anteil. Eröffnet wird in einigen Wochen. Rund 1000 Bauarbeiter arbeiten rund um die Uhr, um den knappen Eröffnungstermin halten zu können.

Und VAMED steht Gewehr bei Fuss, um mit der Installation der gesamten Technik und Ausstattung beginnen zu können, wenn endlich der Punkt der Staubfreiheit erreicht ist.

Was man jetzt schon sieht, ist ein weiterer großer Fortschritt in der medizinischen Versorgung der ärmsten Bevölkerungsschicht Managuas. Das Haus ist nicht nur architektonisch von außen eine Perle, sondern wird auch mit  modernsten OP-Sälen ausgestattet sein. Für den Haupt-OP-Raum sucht man noch hoffnungsvoll eine Finanzierung für ein 2,5 Mio. Euro teures Spezialgerät, um auch sehr komplexen Interventionen gerecht werden zu können – dann wäre das Spital eine Referenzanlage nicht nur innerhalb Nicaraguas, sondern in ganz Zentralamerika.

Hospital Militar

Fotos: (c)Solid

Und das dritte Grossprojekt ist auch ein Spital, nämlich das „Hospital Militar Dr. Alejandro Dávila Bolaños“ in Managua. Das Grazer Unternehmen SOLID hat in Nicaragua einen bedeutenden Klimaschutzauftrag über 4 Mio. Euro erhalten und beginnt in diesen Tagen mit der Montage einer thermischen Groß-Solaranlage zur Klimatisierung und Warmwasserbereitstellung des Spitals.

Das Referenzspital in Zentralamerika

Das Militärspital wurde 2016 eröffnet und ist Nicaraguas größtes und modernstes Krankenhaus mit knapp 400 Betten in der Hauptstadt Managua. Mit der 4.450 m² Groß-Solaranlage kann das Spital bald den gesamten Warmwasserbedarf decken und Teile des Gebäudes klimatisieren. Die Planung, Lieferung, Projektleitung und Inbetriebnahme, also die schlüsselfertige Anlage, kommt vom Solartechnikunternehmen SOLID in Zusammenarbeit mit den österreichischen Projektpartnern Caverion und GREENoneTEC.

„Wir haben bereits mehr als 300 Projekte weltweit erfolgreich realisiert und einiges an Erfahrungen mit der Technologie, der Projektabwicklung und der Projektfinanzierung sammeln können. Für eine erfolgreiche Umsetzung sind genau das die Schlüsselfaktoren“ so SOLID-Geschäftsführer Christian Holter.

Das Leuchtturmprojekt im Krankenhaus von Managua wurde gemeinsam mit der UNIDO und dem „National Cleaner Production Centre of Nicaragua“ (NCPC) entwickelt. Die Finanzierung erfolgt über einen Soft Loan, mit der OeKB als Garantiegeber, im Wege der Raiffeisen Bank International.

„Dieses umweltfreundliche Energieprojekt spart pro Jahr ca. 1.100 t CO2 Emissionen ein und ist ein Meilenstein für die nationale Energiepolitik und die der Region Zentralamerikas“ erläutert César Barahona, Direktor des „National Cleaner Production Centre of Nicaragua“ (NCPC) sowie Technical Advisor für die UNIDO für Lateinamerika und die Karibik. Im Bild mit SOLID-Chef DI Christian Holter bei der Projektpräsentation im Grazer Weltladen im Sommer 2016.

 

Wollen Sie mehr über Nicaragua oder eines der anderen Länder Zentralmerikas im Betreuungsbereich des AC Mexiko erfahren?

Unsere Expertin für Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama ist Frau Mag. Helga Schmoigl. Ihre Kontaktdaten finden Sie hier. Sie freut sich auf Ihre Mail oder auf Ihren Anruf. Sie plant gerade ein Wirtschaftsmission nach Guatemala, Costa Rica und Panama von 15.-20. Oktober 2017.

Und zum Nachlesen oder Vorlesen über die Wirtschaft Nicaraguas empfehle ich diesen Link. In Kürze mit dem aktuellen Wirtschaftsbericht „AUSSENWIRTSCHAFT UPDATE Nicaragua“.

Vielleicht sehen wir uns demnächst persönlich in Österreich? Ich stehe Ihnen bei folgenden Veranstaltungen gerne für ein persönliches Beratungsgespräch zur Verfügung:

Lateinamerika-Tag am 15.5.2017 in der WKÖ in Wien (Achtung: Gesprächstermine sind bereits knapp)

„Future of Building“-Konferenz am 17.5.2017 in der WKÖ in Wien; wenn Sie Interesse an Stadtplanung, Stadtentwicklung, Smart Cities haben – am Kongress sind 5 hochrangige Experten aus Mexiko und freuen sich auf ein Gespräch mit Ihnen.

AUSSENWIRTSCHAFTTAGUNG Amerika, Südasien, Fernost, Subsahara-Afrika vom 19.6.-7.7.2017 in den Bundesländern

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