E-Mobilität aus China

Hat China die Nase vorn beim Rennen um das nächste Elektroauto?

Zhidou D2 EV, BYD Song PHEV oder Chery eQ EV? Sagt Ihnen das was? Ich denke mal, eher nicht. Außer Sie befassen sich intensiv mit dem Thema E-Mobilität in China.

Nicht nur seit dem aktuellen „Dieselgate“ sind Themen wie E-Mobilität, Elektroautos, autonomes Fahren, Batterieleistung, Reichweite oder Ladedauer in aller Munde. Und wenn man nur eines dieser Worte hört, kann man davon ausgehen, dass im nächsten Satz China erwähnt wird. Und das hat einen guten Grund.

Ähnlich der Situation bei traditionellen Verbrennungsmotor-Fahrzeugen hat das Land auch im Bereich E-Mobilität die Nase vorn. 2016 gingen 45% der weltweit verkauften 774.000 E-Fahrzeuge in China über den Ladentisch. Mit 43% Marktanteil an der globalen E-Auto-Produktion nahm China auch zum ersten mal Platz 1 im Herstellerranking vor Japan ein. Doch damit nicht genug: Heute ist schon jeder dritte Elektromotor und jede vierte Batteriezelle Made in China.

Ende letztes Jahr waren 650.000 E-Fahrzeuge auf Chinas Straßen unterwegs (Plug-in Hybride und reine Batteriefahrzeuge); noch ein Platz 1 für China!  Kunden haben auch die Qual der Wahl: 75 elektrische Modelle stehen zur Auswahl (Deutschland 40). Auch die Neuzulassungen steigen ständig. Subventionen, finanzielle Anreize beim Kauf oder beschleunigte und billigere Zulassungsverfahren lassen Chinesen immer häufiger zum E-Auto-Schlüssel greifen.

Grüne Nummerntafel – eindeutig ein E-Auto

E-Mobilitäts-Vorzeigeunternehmen aus China

Schon heute sitzt der größte Produzent von Elektroautos in China: BYD. Allein schon der Firmenname ist Programm: BYD steht für Build your dreams! Und das hat das Unternehmen aus Shenzhen auch geschafft. Seit 2015 verkauft BYD weltweit die größte Anzahl an Elektroautos und bringt regelmäßig erfolgreich neue Modelle auf den Markt. Vom neuen BYD Song PHEV, ein plug-in hybrid SUV, wurden in nur zwei Monaten 6.838 Stück verkauft!

Weitere bekannte chinesische Elektroauto-Hersteller sind BAIC SAIC Roewe, Chery, Geely oder JAC. Auf Grund der guten Marktentwicklung, staatlichen Subventionen für Kunden und Produzenten, politischer Unterstützung vor allem auch im Hinblick auf die Umweltverschmutzung in China, haben heuer 38 neue NEV (New Energy Vehicle) Hersteller eine Produktion gestartet oder mit der Planung begonnen; geplantes Investitionsvolumen: über RMB 100 Mrd. (ca. EUR 12,5 Mrd.) .

New kids on the block

Erfolg macht erfinderisch. Auch in China. Start-ups aus anderen Technologiegebieten drängen in den Markt für E-Mobilität. CHJ Automotive zB plant 2018 zuerst ein ultra-kompaktes und günstiges Elektroauto auf den Markt zu bringen, ein Hybrid-SUV soll folgen. Die Billigvariante soll Kunden ansprechen, die derzeit mit Elektrorollern unterwegs sind. Andere Namen die man auf dem Radar haben sollte: Faraday Future, NIO, Foton/Borgward oder Future Mobility FMC. Oft arbeiten die neuen Automobilhersteller eng mit chinesischen oder internationalen Firmen im Elektronikbereich zusammen. FMC zB zählt auf die Unterstützung von Foxconn und Tencent.

Österreicher überzeugen sich vom NIO EP9, dem derzeit schnellsten E-Auto der Welt.

Klassische Autokonzerne wollen da natürlich mithalten. Und schon fast täglich liest man von neuen Joint Ventures internationaler Traditionsbetriebe mit chinesischen Partnern mit dem Ziel, Elektroautos in China auf den Markt zu bringen: Volkswagen mit Anhui Jingahuai Automobile (JAC), Daimler mit BAIC und BYD, Ford mit Chang’an Automobile… Auch Indiens Mahindra and Mahindra (M&M) liebäugelt mit China.

Natürlich spielt auch die chinesische Politik mit: Seit Juni dürfen ausländische Autoproduzenten mit drei statt wie bisher nur zwei lokalen Firmen Joint Ventures eingehen. Aber nur dann, wenn der dritte JV sich mit E-Mobilität bzw. „grünen Fahrzeugen“ befasst.

Lokalkaiser

Der chinesische Markt für E-Mobilität ist stark in einheimischer Hand. Bei Elektroautos liegt der Marktanteil lokaler Produzenten 93 %. Stärkster ausländischer Anbieter ist Tesla mit 6 % Marktanteil. Superchargers gibt’s einige in China und die werden auch fleissig in Anspruch genommen.

Wo geht die Reise hin?

China verfolgt offiziell das Ziel, eine Vorreiterrolle im Bereich E-Mobilität einzunehmen. Die Gründe und Motive dafür sind unterschiedlicher Natur. Ein wichtiger Faktor für die schnelle Entwicklung liegt in der Umweltverschmutzung. Elektrofahrzeuge stellen eine Möglichkeit dar, die Luftverschmutzung in den Ballungszentren in den Griff zu bekommen (160 Städte mit über 1 Mio. Einwohner; Autodichte: knapp 1 Auto für 6 Menschen).

Weiter möchte sich China auch einen globalen Namen in der Branche machen. Man hat erkannt, dass man beim traditionellen Autobau nicht wirklich mithalten kann, aber in neuen Bereichen ist noch Platz für Newcomer. Dieser Wunsch spiegelt sich in vielen ambitionierten Programmen wieder. So möchte man zB bis 2025 einen 20% Marktanteil von NEV in China erreichen und 2 chinesische Modelle sollen zu den Top 10 Marken weltweit gehören. Gleichzeitig wird die Ladeinfrastruktur großflächig nach chinesischem Standard ausgebaut (zB 12.000 Lade- und Wechselstationen bis 2020).

Last but not least: auch österreichische Firmen mischen mit im globalen Rennen um die E-Mobilität. 2018 beginnt Magna in Steyr die Produktion des neuen Jaguar Land Rover I-Pace. Oder Kreisel Electric, deren revolutionäre Batterie-Technik auf so große Nachfrage stößt, dass sie jetzt eine neue Batteriefabrik bauen.

 

 

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