ECOCASA – nachhaltiger Wohnbau in Mexiko

Wie die grüne Welle in Mexiko Fahrt aufnimmt

Adrián Hernández Godínez, Projektleiter des Bauträgers „quierocasa“

ECOCASA sucht neuen Weg

Umweltschutz und Klimaziele waren in Mexiko lange Zeit zwar schon in jedem Regierungsprogramm, die Umsetzung gestaltete sich jedoch aus Gründen der Budgetknappheit und auch mangelnder Finanzkraft und Bereitschaft der Bevölkerung langsam und mit Hürden. Das Programm ECOCASA, soeben mit dem nationalen Energy Globe Award ausgezeichnet, sucht einen erfolgversprechenden alternativen Ansatz im sozialen Wohnbau.

Neu: Hausmülltrennung in Stadt Mexiko

Es scheint Bewegung in die grüne Welle zu kommen. Die Stadt Mexiko hat im Juli die Hausmülltrennung eingeführt: Bioabfall in einer Tonne und fester Abfall in 2 weiteren Tonnen: wiederverwertbares Glas, Kunststoff, Metall und Papier einerseits und Restmüll andererseits. Die Sperrmüllabfuhr ist jeden Samstag extra. Sichtbares Ergebnis zu Hause: die Restmülltonne ist seither fast leer. Aber das kennen wir in Österreich ja schon seit langem.

Sozialer Wohnbau mit Nachhaltigkeit

Und auch am Bau tut sich was. Energieeffizienz soll nicht nur die Betriebskosten senken, sondern inklusive ergänzender Maßnahmen auch den CO2-Ausstoss verbessern. Und dass das nicht nur in den besseren Gegenden geschieht, will ich Ihnen heute aufzeigen. Sozusagen als Kontrapunkt zur letzten Story „Mexiko im Hochhausfieber“ vom Juni d.J.

Von Osten nach Westen – die Skyline des modernen Teils des Paseo de la Reforma im Hintergrund

ECOCASA setzt am entgegengesetzten – östlichen – Ende des Paseo de la Reforma an, wo sie nicht mehr Prachtstraße ist, sondern eine Gegend mit niedrigem Durchschnittseinkommen und entsprechenden sozialen Problemen. ECOCASA bevorzugt generell Bauplätze im Stadtgebiet in Rekonversionszonen, vorwiegend aufgelassene Industriegelände.

Die Vorzeigeprojekte „Jesus Carranza“ und „Estrella“

Baustellenbesuch in Jesus Carranza:

„Jesús Carranza“ und „Estrella“ sind beide nahe am Stadtzentrum in der Delegation Cuauhtémoc gelegen. Finanziert werden die Bauvorhaben unter dem Programm ECOCASA von der staatlichen Sociedad Hipotecaria Federal (SHF) in Zusammenarbeit mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) und der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW. Es geht hier nicht um Hypothekarkredite, sondern um zinsgünstige Finanzierung des Bauträgers, in diesem Fall Quierocasa.

Baustellenbesuch „Estrella“

Die Auflagen sind hoch, werden kontrolliert und eingehalten

Voraussetzung für die Finanzierungszusage ist die Vorlage eines Projekts, das den CO2-Ausstoss um 20% verringert und die Wohnung für den Käufer trotzdem nicht teurer macht. Maßnahmen sind etwa die Verwendung von dämmenden Hohlziegeln, bessere Fensterqualität, energiesparende Haushaltsgeräte und Solar-Warmwasserspeicher am Dach. Aber es ist nur noch ein Parkplatz pro Wohnung vorgesehen: die Bewohner sollen ihren Klimabeitrag durch Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel leisten, zumal die zentrumsnahe Lage das auch begünstigt. Dazu kommt der Einbau von Wasserfiltern zur Trinkwasseraufbereitung in jeder Wohnung – Trinkwasser braucht nicht mehr in Plastikgebinden aus dem Supermarkt kommen.

Nur 20 % CO2-Reduktion?

Sie werden sich vielleicht fragen, ob 20% CO2-Einsparung nicht ein bisschen wenig ist. Nachdem die Stadt Mexiko Sommer und Winter ein angenehmes Klima hat und weder Heizung noch Klimaanlage braucht, fällt ein großes Einsparungspotenzial weg. In den warmen Gegenden Mexikos ist dieses Potenzial natürlich entsprechend höher.

Der Kaufpreis

Und was zahlen die künftigen Bewohner für eine gut ausgestattete 52 m2-Wohnung mit Balkon und Parkplatz in Zentrumsnähe der Metropole Stadt Mexiko? Umgerechnet ab rund EUR 50.000, ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis und auch für schwächere Einkommen leistbar.

Erwartungen und Ziele übererfüllt

Das Programm ECOCASA wurde 2013 mit den Zielen Klimaschutz, Nachhaltigkeit im Wohnbau und Verbesserung der Lebensqualität für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen gestartet. In der ersten Phase von 2013 bis 2019 sollten 27.600 Wohnungen mit einer CO2-Reduktion von 1 Mio. to auf 40 Jahre entstehen. Doch bereits im Dezember 2016 wurde das Ziel mit einem Finanzierungsvolumen von USD 400 Mio. für 28.332 Wohnungen für rd. 110.000 Bewohner übererfüllt. 40 Projektträger mit 94 Bauprojekten in 19 Bundesstaaten kamen in den Genuss der Förderung. Mit Ende 2019 ist nun eine Verdoppelung des ursprünglichen Ziels möglich: 54.000 Wohnungen für 210.000 Bewohner und 1,7 Mio. to CO2-Reduktion.

ECOCASA hat auch Finanzierung, Anreize und Unterstützung für weitere Projekte aufgetrieben. So entstehen in nächster Zeit nicht weniger als 600 Passivhäuser mit deutscher Unterstützung im Land, es werden KMU-Projektträger gefördert, Anreize für die Errichtung von Mietwohnungen gegeben, und Fonds für die Adaptierung von Wohnraum in ländlichen Gegenden und für nachhaltige Infrastrukturentwicklung rund um Neubauten in städtischer Umgebung aufgelegt.

Die Preisverleihung

Für all das wurde ECOCASA heuer verdient mit dem Energy Globe Award ausgezeichnet. Zum Abschluss ein paar Bilder von der Preisverleihung am vergangenen 2. August im Haus der Österreichischen Wirtschaft in Mexiko.

Apropos Mexiko

Wussten Sie, dass die österreichischen Ausfuhren nach Mexiko im Jahr Eins der US-Präsidentschaft Trump weiter stark zulegen? Von Jänner bis Mai 2017 lieferte Österreichs Industrie Waren um EUR 460 Mio. (+19,1%) nach Mexiko – die Automobilindustrie ebenso wie viele andere exportorientierte Industriezweige boomen und Österreichs Technologie ist gefragt. Lesen Sie mehr dazu in meinem aktuellen Update Mexiko hier.

Alle Fotos in diesem Beitrag, soweit nicht anders angegeben: (c)Friedrich Steinecker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.