Staffellauf und Gruppengehen für Teamgeist und Grillwürstel

Klimmzüge für die Produktivität Dänemark zählt zu den bewegungsfreudigsten Ländern Europas. Ein Drittel der dänischen Bevölkerung über 15 Jahre treibt mindestens fünf Stunden pro Woche in der Freizeit Sport. Die dänische Infrastruktur ist auf Bewegung ausgelegt (Stichwort Supercykelstier) und Frischluftkultur

Klimmzüge für die Produktivität

Dänemark zählt zu den bewegungsfreudigsten Ländern Europas. Ein Drittel der dänischen Bevölkerung über 15 Jahre treibt mindestens fünf Stunden pro Woche in der Freizeit Sport. Die dänische Infrastruktur ist auf Bewegung ausgelegt (Stichwort Supercykelstier) und Frischluftkultur ist Programm. Kopenhagen ist längst die radfreundlichste Stadt Europas, rund 40 Prozent der Bevölkerung fahren täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das alleine ergibt pro Woche ein paar Stunden Sport. Öffentliche Plätze, Parks und Uferpromenaden werden kreativ in interaktive Sportplätze umgewandelt, sodass man beim Vorbeigehen gar nicht anders kann, als sich an der Klimmzugstange hochzuziehen, fünf Minuten Trampolin zu springen oder über einen Balken zu balancieren.

Kindergartenkinder halten ihre Nachmittagsschläfchen zur Verwunderung neuzugezogener ausländischer Eltern an der Frischluft – auch im Winter. Während mich nach drei Jahren Dänemark weiterhin keine zehn Pferde ins kalte Hafenwasser bringen, scheuchen meine dänischen Freunde den Nachwuchs auch an kühlen Tagen ins Meer. Zur Belohnung gibt’s für die kleinen Wikinger danach ein Eis. Besonders populär ist das Winterbaden. Die Kopenhagener Badeklubs haben zum Teil jahrelange Wartelisten. Was für mich nach purem Masochismus anmutet, bekommt mittlerweile schon das Etikett “Trendsport”, der anscheinend die Produktivität eines Arbeitstages in unendliche Höhen treibt. Eine Geschäftsidee für das Gänsehäufel?

5×5 km und ein Profigrill

Wenig verwunderlich also, dass das größte kollektive Teambuilding Event des Landes ebenfalls mit Sport zu tun hat. Die DHL-Stafetten – benannt nach dem Hauptsponsor – ist der größte Staffellauf und Business Run der Welt. Traditionell findet er in der letzten Augustwoche im Kopenhagener Faelledparken statt. Nachdem man aber der Hauptstadt die Sause nicht allein überlassen will, organisieren mittlerweile auch einige andere dänische Städte ihre eigenen “DHL-Stafetten”. In Kopenhagen nehmen daran über einen Zeitraum von fünf Tagen mehr als 125.000 Läuferinnen und Läufer teil, landesweit sind es sogar über 200.000. Anders formuliert: Beinahe 4% der dänischen Bevölkerung laufen für “Spass, Gesundheit und Zusammenhalt” – so das offzielle Motto des Laufes. … und für die Grillwurst und das Bier danach.

die Ruhe vor dem Start

Eine Teilnahme wird zumeist vom Arbeitgeber gesponsert – 2017 sind mehr als 3.400 Unternehmen mit dabei. Kaum eine Firma im Großraum Kopenhagen, die nicht zumindest ein Team stellt. Für große Firmen und Organisationen laufen oft zig Teams aus jeweils fünf Läufern, zuzuordnen nach ihren Firmen-T-Shirts. Angefeuert von den entlang der Strecke oft schon jausnenden Kollegen, legen sie je 5km zurück, bevor sie die Staffel im wurlenden Zielbereich  übergeben (versuchen). Die Firmen-Schwergewichte sind leicht an gebrandeten Großzelten mit Profilgrillern, eigenen Köchinnen und Köchen und strategisch platzierten Fahnen zu erkennen. Bei den kleineren Teams sind Einweggriller in der DHL-Woche hoch im Kurs.

One for the Team

Eine Woche vor dem Lauf wird fleißig trainiert oder kapituliert, weil es ohnehin bereits zu spät sei und die Kollegschaft nun einfach damit leben müsse, dass man das Gesamtergebnis mit dem eigenen Lauf in die Tiefen zöge. Plötzlich hat ein Mitarbeiter einen neu diagnostizierten Plattfuß, der Laufen unmöglich macht oder die Projektmanagerin einen vom Hund zerbissenen Laufschuh. Hinderlich für’s Laufen, aber kein Hindernis für’s Dabeisein, Anfeuern und den Spaß beim anschließenden Gemeinschaftsgrillen. Muss die enthusiastische Kollegin aus der Finanzabteilung dann eben eine zweite 5 km Runde übernehmen. Und eine dritte.

Die beste Startreihenfolge ist ebenfalls eine Wissenschaft bzw. Verhandlungssache. Hauptargumente gegen eine spätere Laufnummer sind bis dahin leergegessene Firmenbuffets und schlechte Luft. Je eher man läuft, desto schneller kommt man zur Wurst, und für spätere Läuferinnen und Läufer kommen die Rauchschwaden der entlang der Laufstrecke platzierten Griller als zusätzliches Erschwernis hinzu.

Die Erlebnisse des AUSSENWIRTSCHAFT Walking Teams

Im Vergleich dazu relativ gelassen, stellt das AußenwirtschaftsCenter Kopenhagen diesmal ein Walking Team, sodass wir alle teilnehmen können. Auch jene mit weniger guten Knien oder geringerer Laufbegeisterung. Mit dabei sind auch unsere beiden Vertrauensanwältinnen – eine von ihnen sogar mit achtmonatiger Tochter, die flugs umgeschnallt und mitgetragen wird – und „die Touristen“, also unsere Büro Nachbarn von der Österreich Werbung.

Wir spazieren wir gemütlich

Beim Gehen können wir uns gut unterhalten, Fotos schießen, evaluieren, welche Firmen die größten Zelte und die besten Griller aufgefahren haben, uns im Vorbeigehen mit den Kolleginnen der Deutschen Kammer ein Kurzstreckenwettgehen liefern und eines der Teams der österreichischen BWT Niederlassung fotografieren (leider nur von hinten, sie waren schneller). Anwaltsbaby Maja kommt mit den lauten Unterhaltungseinlagen entlang der Wegstrecke (Chor, Trommeln, Dj-Sets, Tanzgruppe, full blast Shakira) besser zurecht, als wir. Sie schläft, ziemlich unbeeindruckt, während wir ihr panisch die Ohren zuhalten.

Die Walking Tour hat Beton-Charme. Die Läuferinnen und Läufer düsen durch Wiesen und Wälder des Faelledparken; die Walker hingegen trotten auf Asphalt einmal rund um den Park, mit ein paar kuriosen Schlenkern durch Hintereingangsgassen und Umleitungen rund um öffentliche Toiletten, Baustellen und Mistkübel. Großen Spass hat’s jedenfalls gemacht, und weil wir nicht gar so viele Kalorien verbrannt haben, wie die Läuferinnen und Läufer, belohnen wir uns beim gemeinsame outdoor-Abendessen vor unserem Zeltplatz mit einer gesunden Salatbar. Jedes Team erhält vom Veranstalter auch ein Madpakke – ein Esspaket. Dessen Inhalt ist zwar mittelmäßig attraktiv und wenig gesund. Die Schokoladen, Nüsse, Kekse, Vollfettkäse und Leberaufstriche gewinnen aber doch an Glanz, wenn nach all der Salatbar noch Lust auf weniger Gesundes aufkommt. Und auch ein Gratisset Kerzen des Veranstalters für die Extra-Stimmung bei den hyggenden Teilnehmern darf natürlich nicht fehlen.

Team Österreich sperrt dann den Faelledparken zu – Als wir schließlich heimwärts aufbrechen, sind – abgesehen von der Putztruppe – keine anderen Teilnehmer mehr zu sehen.

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