Weinlese in Baja California

Wein aus Mexiko am guten Weg, sich international zu profilieren.

Lupita Ruelas prüft den Reifegrad der Trauben in der Laube des Weingutes Barón Balché

Heuer führte mich ein Kurzurlaub Mitte August zur Weinlese nach Baja California: in das Valle de Guadalupe, um genau zu sein. Was ich gerne mit Ihnen teilen will, ist ein anderes Stück Mexiko, ein sehr Sympathisches dazu und ein wirtschaftlich erstaunlich Erfolgreiches. Weinliebhaber, die das nicht Alltägliche suchen, sollten auch auf ihre Rechnung kommen.

Nationalstolz „Wein aus Mexiko“

Seit ich vor mittlerweile 4 Jahren nach Mexiko kam, fasziniert mich, dass meine mexikanischen Freunde im Restaurant ausnahmslos, selbstverständlich und mit nationalem Stolz mexikanischen Wein bestellen, ob weiß, rot oder rosé. Ob spürbar teurer als das Großangebot an vergleichbaren Importweinen aus aller Herren Länder spielt keine Rolle – mexikanischer Wein muss es sein.

Und so neugierig geworden auf das Geheimnis dieses Erfolges kam die Einladung von lieben Freunden aus Tijuana zur „Inspektion“ vor Ort gerade Recht. Und das im Monat August zur Erntezeit, die gleichzeitig auch touristische Hochsaison ist. Kein Tag im August, an dem nicht zumindest eines der rund 80 Weingüter im Guadalupe-Tal zum großen Fest lädt.

L. A. CETTO

Bei Cetto – der größten Bodega Mexikos mit Exporten in knapp 30 Länder – war Samstag, der 12. August, der große Festtag mit Programm und Verpflegung von Mittag bis weit nach Mitternacht für mehr als 1.000 Gäste.

Am Eingang wehte unter rund 30 Fahnen auch die österreichische: alle bisherigen Abnehmerländer.

Das Weinlesefest

Aber der Reihe nach: Das Fest begann um 12 Uhr mittags mit einer Hl. Messe.

Um 14 Uhr startete der Kelterwettbewerb:  in Zweierteams, links die Herren, rechts die Damen, wird die Maische traditionell mit den Füßen gestampft. Es gewann wenig überraschend das Damenteam.

Gegen 15 Uhr fuhren Kleinbusse die Gäste etwa 500 m auf eine Anhöhe zum Festplatz, perfekt organisiert. Der Ausblick auf das Guadalupe-Tal über die Stierkampfarena und Weinreben hinweg, so weit das Auge reicht, war bezaubernd.

Danach wurde das Mittagessen serviert: ein wahres kulinarisches Vergnügen begleitet von einem Fumé Blanc mit exzellenter Säure, einem Rosé „Blanc de Zinfandel“, Merlot „Don Luis“ und einem Cabernet Sauvignon vom Besten.

Gegen 18 Uhr riefen die Fanfaren einer Mariachi-Gruppe zum Stierkampf in der kleinen Arena am Fuß des Festplatzes. 2 Toreros – Alfredo Ríos „El Conde“  und Antonio García „El Chihuahua“, Topstars der Szene in Mexiko – und vier gute Stiere. Die Stimmung in diesem Ambiente war nicht zu überbieten.

Und dann kam noch ein Popkonzert der Gruppe Flans, einer Mädchenband, die in den 80-er Jahren berühmt wurde. Heute sind die Mädchen natürlich „Señoras“, aber an Schwung haben sie nichts verloren. Und natürlich gab´s auch weiter großzügig Essen und Wein in vollen Zügen. Und zum Abschluss ein grandioses Feuerwerk.

Cetto – altösterreichische Familie aus dem Trentino

Der Autor im Gespräch mit Don Luis Cetto

Don Luis Alberto Cetto, seit 1983 an der Spitze des Familienunternehmens, heute Seniorchef: „Wir sind stolz darauf, Altösterreicher zu sein!“

Mittlerweile führt sein Sohn Luis Alberto die Geschäfte. Auch er fühlt sich als Altösterreicher. Sein Urgroßvater Don Angelo Cetto stammte aus dem Trentino. Er kam 1926 nach Tijuana und begann mit einem Wein- und Spirituosenhandel in Grenznähe zu den USA: ein günstiger Zeitpunkt und Standort angesichts der Prohibition im Norden. 1928 gründete er die erste Bodega. Der große Aufstieg begann in  den 60-er Jahren im Valle de Guadalupe.  Auf 1.100 ha Anbaufläche werden jährlich 14.000 to Trauben geerntet. Wie viele Flaschen Wein das ergibt, bleibt ein Geheimnis.

 

Bodega BARÓN BALCHÉ

Cetto blieb nicht die einzige besuchte Bodega. Anderntags stand einige Kilometer entfernt „Barón Balché“ – unter den TOP 5 der Region – am Programm. Das Weinlesefest fand erst eine Woche nach unserem Besuch statt und so blieb viel Zeit, um mit Don Juan Rios und seiner Frau Yolanda einen gemütlichen Nachmittag und Abend zu verbringen.

 

Das Leitmotiv der Bodega Barón Balché:

„Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit ist mehr Wert, als alle Reiche dieser Erde!“

(Gustav Mahler aus dem „Lied von der Erde“)

 

 

 

Don Juan ist kein Einwandererkind. Er ist eines von vielen Kindern einer aus Sonora zugewanderten Landarbeiterfamilie. Ein „Self-Made-Man“. Auf 32 ha vernachlässigter Rebenanbaufläche startete er 1997 sein Unternehmen. Heute werden im Jahr über 240.000 Flaschen Qualitätswein abgefüllt: 14 Rotweinsorten, 3 Weißweine und ein Clarette.

Im Weingut selbst gibt es ein Restaurant mit sehr guter Küche.

Der Name Barón Balché ist ein Tribut an die Maya-Kultur: die Früchte des Balché-Baumes wurden vergoren und das Getränk blieb den Noblen vorbehalten.

Große Pläne

Don Juan hat noch große Pläne: 600.000 Flaschen sollen es in den nächsten Jahren auf erweiterter Anbaufläche werden und ein Hotel soll die Gäste ans Haus binden. Er ist ja nicht mehr der Jüngste, und auf Nachfrage: ja, unter den 4 Kindern ist die Nachfolge geregelt.

 

Das Geheimnis des Aufschwungs des Weinbaus im Valle de Guadalupe:

Don Juan Rios: „Gute Böden, ein moderates Klima mit passender Luftfeuchtigkeit und ohne Regen Wochen vor der Ernte“.

Tatsächlich ist es so, dass der wenige Kilometer entfernte Pazifik zwischen San Diego und Ensenada durch eine Arktis-Strömung sehr kühl ist. Im Tal sind die Sommertage angenehm warm, abends kann man dann aber durchaus ein Sakko oder einen leichten Pullover vertragen.

Und Probleme gibt es auch?

Don Juan Rios: „Ja: das Wasser wird knapp“.

Die Reben müssen bewässert werden. Der Grundwasserspiegel sinkt mit zunehmender Anbaufläche deutlich ab. Hier stehen also bedeutende Investitionen  in der Region an, um den Wasserhaushalt im Lot zu halten und das Wachstum der Branche nicht zu gefährden.

Lobster in Rosarito

Es muss nicht immer nur der Wein im Vordergrund stehen. Wenn Sie sich einmal in die Gegend verirren, probieren Sie das Restaurant Puerto Nuevo #2 (in einem Fischerhafen am kühlen Pazifik zwischen Rosarito und Ensenada). Lobster vom Besten frisch aus dem Meer, die feinsten Tortilla-Fladen Mexikos und ein Glas Fumé Blanc von L.A.Cetto oder den Sauvignon Blanc SPIRAL von Barón Balché. Sie werden es nicht bereuen.

Rosarito am Pazifik, im Hintergrund die Coronado-Inseln – ein Lobster-Paradies


Weinwirtschaft in Mexiko:

5 wesentliche Anbaugebiete: Baja California (rd. 80 %), Aguascalientes, Coahuila, Queretaro und Zacatecas

Anbaufläche: 40.000 –  50.000 ha

Direkte Beschäftigte: 1.200

Inlandsproduktion: 20 Mio. Liter p.a. (30 % Marktanteil)

Importe aus: Spanien, Argentinien, Italien, Frankreich, Chile, USA

Pro-Kopf-Verbrauch: 0,75 l

Nur rd. 3 Mio. von 120 Mio. Einwohnern Mexikos konsumieren regelmäßig Wein


Die Mauer

Und weil in letzter Zeit viel über den Mauerbau an der Grenze zwischen Mexiko und den USA berichtet und geredet wird, will ich Ihnen zum Abschluss ein paar Bilder von der schon längst gebauten Absperrung zwischen Kalifornien im Norden und Baja California im Süden im Abschnitt zwischen Tijuana und Mexicali nicht vorenthalten. Bilder sprechen bekanntlich mehr als 1000 Worte.

Links Mexiko (Tijuana), rechts USA (Bucht von San Diego) – das eine Ende einer Mauer, die sich irgendwann über 3.000 km erstrecken soll

In Tijuana beginnt das Vaterland Mexiko, gleich hinter dem Zaun

Der Grenzwall entlang der Autobahn Tijuana – Mexicali

Alle Fotos (c) Friedrich Steinecker und Yolanda Garcia Santos

Wußten Sie, dass …?

Mexiko ist auch im 1. Halbjahr 2017 unter den am stärksten wachsenden Exportmärkten Österreichs: +20%. Die mexikanische Automobilindustrie boomt, die österreichischen Lieferungen von Maschinen und Anlagen ebenso.

Mehr dazu lesen Sie in meinem Update Mexiko hier. Die nächste Aktualisierung ist ab ca. Ende September verfügbar.

 

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