Zentralasien: Dienstantritt in Almaty, Kasachstan

Ein Tiroler fährt in Astana mit der Hungerburg-Bahn zum Prater Almaty, Sonntag, 01:40 Uhr. Die Maschine aus Frankfurt landet in Almaty. Etliche Passagiere klatschen. Flüge kommen und gehen in Almaty um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden. Das Café am

Aussicht von Kok tobe, Foto: lostwithpurpose.com

Ein Tiroler fährt in Astana mit der Hungerburg-Bahn zum Prater

Die „Hungerburgbahn“ in Almaty

Almaty, Sonntag, 01:40 Uhr. Die Maschine aus Frankfurt landet in Almaty. Etliche Passagiere klatschen. Flüge kommen und gehen in Almaty um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden. Das Café am Flughafen hat um diese Uhrzeit offen. Das ist gut so, denn ich werde viel unterwegs sein und der Flughafen Almaty wird mein zweites Wohnzimmer werden. Der Betreuungsbereich des AußenwirtschaftsCenter Almaty ist riesig – nach acht Jahren Kalifornien hätte ich aus Gewohnheit beinahe noch AC Los Angeles geschrieben. Allein Kasachstan ist größer als Deutschland, Schweiz und Österreich zusammen. Dort liegt auch das wirtschaftliche Schwergewicht. Hinzu kommen noch Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan. Ab 1. August werde ich mit meinem Team – Philipp, Adrian, Ruket, Tatyana, und Zauresh – auch Usbekistan zur Betreuung übernehmen.

Die Passkontrolle läuft schnell ab. Der Immigration Officer erkennt wohl, dass der Typ in Jeans als „Zuag’roaster“ Tiroler in Kasachstan seinen Dienst am AußenwirtschaftsCenter Almaty antritt. Mit einem freundlichen Lächeln saust der Stempel in den Pass. Zwei Wochen später bin ich bereits mit meiner offiziellen ID-Card ausgerüstet.

Evgeny wartet schon am Ausgang. Mit ihm werde ich in Zukunft zahllose Kilometer in der Steppe abspulen. In Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans, waren wir mittlerweile schon. Bishkek liegt quasi ums Eck – ein Tagestrip entlang des mächtigen Tien Shan Gebirges.

Ich wollte unbedingt einer Delegation des kirgisischen Unternehmerverbandes, die auf ihrem Europatrip auch die Wirtschaftskammer Österreich besucht, noch eine gute Reise und einen interessanten Aufenthalt wünschen. Ein idealer Aufhänger, um nachhaltige Kontakte zu knüpfen.

Meine innere Uhr ist beim Einchecken im Hotel um halb drei Uhr noch auf das vier Stunden hinten liegende Wien eingestellt. Ich drehe daher spät nachts eine Erkundungsrunde. Ich kenne die Stadt bereits aus Büchern und Reisebeschreibungen. Erster Eindruck: Almaty ist grün und sauber. Um drei Uhr früh fühle ich mich in der Allee, in der ich gerade entlanggehe, sicher.

Das Straßenbild in Almaty ist vorwiegend westlich, durchmischt mit neuer Architektur. Breite Alleen mit lebendiger Vogelpopulation. Frauen sind modisch gekleidet: Zerschlissene Jeans, Cocktail-Dress, Edel-Stilettos und coole Sporttreter – alles ist zu sehen. „Flanking“ war hier in der Winterzeit genauso angesagt wie in New York oder Wien. Damen mit Kopftuch sehe ich nur vereinzelt als Gäste im Hotel. Ins Auge sticht die Fülle an modernen Cafés und Restaurants. Ich habe noch nie so viele Karaoke Bar-Schilder gesehen. Und Notare. Auffällig sind die zahlreichen Elektro-Rollerfahrer und Fahrradverleih-Ständer.

Unter den Autos, hauptsächlich asiatischer Provenienz, beschleunigen auch deutsche Marken. Beliebt sind Daimler Puch G-Klasse, am liebsten mit einem AMG Kürzel. Supersportwagen und auffällige Protzautos sehe ich keine. Rücksichtsloses Fahren, das ich in einigen Reisebeschreibungen las, kann ich auch nach zwei Wochen und einer Überlandfahrt nicht nachvollziehen. Ungewohnt für den europäischen Fußgänger ist das recht dichte Auffahren der Autos beim Queren des Zebrastreifens.

Beim Durchstreifen der Stadt entdecke ich Film Crews. Es wird für eine beliebte Serie gedreht. Das junge Pärchen könnte mit ihrem Outfit auch irgendwo auf einem Set in L.A. drehen.

 

Als Tiroler und Kurzzeit-Wiener ist Almaty für mich wie Innsbruck, mit einem Schuss Wien. Zumindest am Aussichtsberg Koktobe, der mit einer schneebedeckten 4.000+ Meter Kulisse beeindruckt. Ich fahre mit der modernen kasachischen „Hungerburg-Bahn“ hinauf, wo mich ein Riesenrad, Praterstände und eine Sommerrodelbahn erwarten. Es hat etwa 30° Celsius. Das typische Touristen-Foto mit kasachischer Tracht und dem Adler am Arm meide ich. Noch zu intensiv habe ich den gellenden Schrei des mächtigen Adlers bei der Ski-WM in Beaver Creek, Colorado aus einer halben Meter Distanz in meinem Ohr, als er auf die vorbeiflitzende Seilkamera und die Goldmedaillen-Bestzeit von Anna Fenninger im Zielgelände unerwartet reagierte.

Mein Gehirn ist nach acht Jahren USA und Kalifornien auf Klimaanlage konditioniert. Bei Betreten eines Restaurants und Geschäfts oder im Auto stellt sich mein Körper automatisch auf ein Herunterkühlen ein, was vielfach nicht der Fall ist. Meine Insel war zu Beginn das Hotelzimmer mit konstant 20° Celsius. In der Zwischenzeit habe ich mich akklimatisiert.

(v.r.n.l.) Botschafter Kairat Sarybay, stv. Außenminister Kasachstans Roman Vassilenko, WD Rudolf Thaler

Persönliches Kontakteknüpfen ist Priorität. Gleich zu Beginn habe ich mit meinem Vorgänger Michael Müller Österreichs Botschafter Gerhard Sailler in Astana getroffen. Inzwischen habe ich den Kreis erweitert mit Vertretern von Behörden und österreichischen Unternehmen. Den Kontakt zu Roman Vassilenko, Kasachstans stellvertretendem Außenminister, den ich vor meiner Abreise mit dem kasachischen Botschafter Kairat Sarybay (Im Bild re.) in Wien getroffen habe, konnte ich mittlerweile auffrischen.

Am Montag werde ich um zwei Uhr Früh -nach Kaffee und Croissant am Flughafen- nach Ashgabat, der Hauptstadt Turkmenistans fliegen. To be continued.

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