Bergbau in Brasilien: katastrophal oder zukunftsweisend?

Brasilien zählt zu den Top 10 Bergbaunationen der Welt und hat mit Vale, dem Weltmarktführer bei Eisenerz und Nickel, eines der größten Bergbauunternehmen der Welt. Vale wurde der breiten Öffentlichkeit durch den verheerenden Dammbruch bei seiner Eisenerzmine in Brumadinho bekannt; weniger bekannt ist, dass das Unternehmen im Norden Brasiliens über eine der modernsten, sichersten und produktivsten Eisenerzminen der Welt verfügt.

Wirtschaftsfaktor Bergbau

Bereits im 16. Jahrhundert begann die Goldgräberstimmung im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Der Hunger der portugiesischen Kolonialherren nach Gold und Edelsteinen war unstillbar.

Nach wie vor betreiben internationale Unternehmen wie AngloGold Ashanti Goldminen in Brasilien, von besonderer Bedeutung sind aber heute vor allem Eisenerz, aber auch Nickel, Kupfer und Aluminium. Insgesamt gibt es 72 verschiedene mineralische Substanzen die in den 8.400 brasilianischen Minen abgebaut werden. Zahlreiche neue Minenoperationen entstehen außerhalb von Minas Gerais, im Norden und Nordwesten Brasiliens.

Das größte brasilianische Bergbauunternehmen Vale, mit Sitz in Rio de Janeiro, hatte im Vorjahr einen Börsenwert von rund 77.4 Mrd. US-Dollar. 2018 hat das Unternehmen insgesamt 384,6 Mio. Tonnen Eisenerz produziert. Als Vergleich: am steirischen Erzberg werden im Jahr etwa 3 Mio. Tonnen Eisenerz abgebaut.

Katastrophen fordern hunderte Menschenleben und zerstören Ökosysteme

Am 5. November 2015 war die Stadt Mariana im Bundesstaat Minas Gerais Zentrum einer schrecklichen Katastrophe. Der Dammbruch des Absetzbeckens einer Eisenerzmine von Samarco, einem Joint Venture von BHP Billiton und Vale, begrub das darunterliegende Bergdorf Bento Rodrigues in nur wenigen Minuten vollständig. 19 Menschen starben, das bedeutende Ökosystem des Flusses Rio Doce mit fast 700 Millionen Flusslauf ist für kommende Generationen zerstört.

Fotocredit: Rogério Alves/TV Senado

Dammbruch in Mariana zerstört das Bergdorf Bento Rodrigues
Fotocredit: Rogério Alves/TV Senado

Am 25. Jänner 2019 folgte die nächste Tragödie: der Damm eines Rückhaltebecken für Minenschlämme einer Vale-Eisenerzmine in Brumadinho kollabierte, dabei kamen fast 300 Personen ums Leben. Die Ermittlungen laufen noch; allein im Bundesstaat Minas Gerais war Vale allerdings gezwungen, den Betrieb von 17 Absetzbecken wegen Sicherheitsbedenken bei Dämmen vorläufig einzustellen.

S11D: Willkommen in der Zukunft!

Truckless, praktisch wasserlos, mit einer Kapazität von rund 90 Mio. Tonnen Eisenerz pro Jahr. Das ist S11D, das größte Eisenerzbergbauprojekt der Welt von Vale, im nordbrasilianischen Carajás. Offizieller Name ist Complexo S11D Eliezer Batista. Der Name S11D bezieht sich auf den Standort der Mine, es handelt sich um den Block D des Körpers S11, der sich im Südgebirge der großen Region Carajás befindet. Block D ist einer von vier Blöcken, A, B, C und D. Gemeinsam haben diese Reserven von rund 10 Mrd. Tonnen Eisenerz. Die Mine S11D alleine hat eine geschätzte Lebensdauer von etwa 30 Jahren.

Automatisierter Bergbau in Carajás

Automatisierter Bergbau in Carajás, Fotocredit: Christoph Robertson

Bei S11D kann ein Unfall wie in Brumadinho nicht passieren, da aufgrund moderner Technologien auf Wasser größtenteils verzichtet wird und daher keine Rückhaltebecken für Minenschlämme benötigt werden.

Österreichische Technologie gefragt

Bereits heute greift der brasilianische Bergbau auf österreichische Lösungen zurück – beispielsweise als Technologieanbieter für Bau und Wartung von Eisenbahn-Frachtkorridoren für Eisenerz.

Nach den Minenkatastrophen in Mariana und Brumadinho ist business as usual nicht mehr möglich. Investitionen in Sicherheit und Automatisierung haben nunmehr höchste Priorität, sowohl bei der Behandlung der Schlammrückstände in bestehenden Absetzbecken, als auch bei der Modernisierung der Produktionsprozesse.

Der Leiter des Außenwirtschaftsbüros Rio de Janeiro ist erster Ansprechpartner für Geschäftschancen im Bergbau. Fotocredit: Christoph Robertson

Unser Bergbau-Experte Christoph Robertson, Fotocredit: Christoph Robertson

Informationen über den brasilianischen Bergbau und Chancen für österreichische Lösungen und Technologien gibt’s unter RiodeJaneiro@wko.at.

 

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