6 Jahre Jordanien

Aus Überall nach Austria: aufgewachsen ist Isabel in Spanien, Irak und Österreich, für uns war sie u.a. in Frankreich und auf den Philippinen. Jetzt heißen wir sie wieder in Wien willkommen – da lasse ich mir eine Fragerunde nicht entgehen!

Jordanien in drei Worten: schön, widersprüchlich, resilient

Das wollen immer gleich alle wissen: wie war das in Jordanien, „als Frau“? Glaubst du es wäre als Mann anders gewesen?

Ich habe mich als Frau in einer Führungsposition nicht diskriminiert gefühlt, da es in Jordanien, wie auch in Syrien und dem Libanon, viele Frauen in Führungspositionen gibt, bzw. man ausländischen Frauen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen ist. Im beruflichen Alltag war ich nur wenige Male mit der Überraschung des Gegenübers konfrontiert, eine Frau an der Spitze des Büros zu sehen.

Was war die größte Überraschung, die dir das Land geboten hat?

Das Wetter! Ich war überrascht, sehr kalte Winter mit durchgehenden Schneefällen zu erleben. 2014 fiel so viel Schnee, dass der König drei Feiertage ausrief, um das damit im Zusammenhang stehende Chaos in der Stadt zu vermeiden.

Der jordanische Winter

Was hast du in Jordanien am meisten vermisst?

Ein Glas guten Grünen Veltliners.

Was wirst du an Jordanien am meisten vermissen?

Hmm…, vieles! Doch fällt mir hier v.a. Musakhan (rolls), ein Gericht palästinensischen Ursprungs, das aus Huhn, Zwiebeln, Brot und Sumak besteht. Gerollt ist es auch als Finger food erhältlich – einfach nur köstlich!

Dein tollstes Reiseerlebnis?

Jordanien ist wunderschön und in jedem Fall eine Reise wert! Bekannt sind natürlich Petra und das Tote Meer, doch bietet das Land nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch eine atemberaubende Natur. Der für mich magischste Ort ist die Steinwüste Wadi Rum. Dort unter freiem Sternenhimmel zu übernachten ist schon etwas ganz Besonderes.

 

Wadi Rum

Der größte kulturelle Unterschied zwischen Österreich und Jordanien?

Der Zeitbegriff, der sich in verschiedenen Aspekten äußert. Die Mühlen mahlen in Jordanien langsamer als in Österreich. Dazu kommt, dass in Österreich die Amortisierung einer teuren aber qualitativ hochwertigen Investition, bspw. einer Industriemaschine, für die Anschaffung relevant ist, da es sich über einen längeren Zeitraum in jedem Fall rechnet. In dieser Region ist dies oftmals kein ausschlaggebendes Kriterium, da die Volatilität der Region den Planungshorizont der Menschen stark verkürzt hat.

Welche Person in deinem Alltag wirst du am meisten vermissen?

Abu Al Abed, den Wächter unseres Bürogebäudes. Jeden Morgen steht er draußen vor dem Gebäude wir begrüßen uns – unser tägliches Ritual.

Mit Abu Al Abed

Was hast du aus deinem Aufenthalt in der Region gelernt?

Obwohl ich die Region bereits aus der Vergangenheit kannte, haben diese 6 Jahre mir nur noch mehr vor Augen geführt, dass die Länder und ihre Menschen trotz gemeinsamer Sprache und oft auch gemeinsamer Religion sehr unterschiedlich sind. Jedes Land verfügt über eine eigene Kultur und Bräuche. Diese Gegensätze finde ich bis heute faszinierend.

Was hast du in Jordanien in deiner Freizeit gemacht?

Ich war viel wandern, da Jordanien viele abwechslungsreiche Wanderwege bietet. Weitere Hobbies sind Tauchen, Tanzen und Touch Rugby. Zu Touch bin ich über eine Freundin gekommen, die meinte, dass immer neue Spieler gesucht werden. Es hat irrsinnig Spaß gemacht den Sport zu lernen.

 

Was ist von der Kultur hängen geblieben?

Ein Brauch, der sich wie ein roter Faden durch die Länder des Nahen Osten zieht, ist sicherlich die Gastfreundschaft. Das spiegelt sich auch in Redewendungen wider. Eines das mir besonders gefällt ist „A tiny home can accommodate a thousand friends“. Gastfreundschaft wird großgeschrieben und ist auch im alltäglichen Leben sehr präsent.

Für das Überleben im Alltag empfehle ich folgendes Sprichwort: Geduld ist der Schlüssel zum Glück ;-).

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