Rudi Bösch: Afrika-Sticker, Nilbarsch-Jäger und Philosoph

Geboren wurde der Rudi in Lustenau, dem Zentrum der afrika-lastigen Vorarlberger Stickerei-Industrie - so gesehen nicht ganz unwahrscheinlich, dass er einmal etwas mit diesem Kontinent zu tun haben würde. Dass es aber 40 Jahre in Nigeria werden…wer hätte das gedacht?

Ich bin Rudi zum ersten Mal 1995 begegnet, als ich in Nigeria Wirtschaftsdelegierter wurde. Damals wurde das Land vom brutalen Diktator Sani Abacha regiert, der über Leichen ging.

Näher miteinander bekannt wurden wir, als er mich einige Monate später anrief und meinte, er wäre mir dankbar, wenn ich ihn aus dem Polizeigefängnis im Hafen von Lagos abholen könnte. Wie sich herausstellte, hatte er gemeinsam mit Freunden im Garten seines Strandhauses auf Tontauben geschossen. Die Geheimpolizei des Diktators witterte einen Putschversuch…

Von Vorarlberg aus in die Welt

Sei Weg führte ihn nicht direkt aus dem Ländle nach Afrika. Nach der Schulausbildung in Vorarlberg und einem Jahr als Exportsachbearbeiter in einer Lustenauer Stickereifirma studierte Rudi zunächst an der Wirtschaftsuniversität St. Gallen. Dann zog es den wissensdurstigen Bauernsohn über den großen Teich, nach Kalifornien. Dort erwarb er beim berühmten Management Guru Peter Drucker an der Claremont Graduate School seinen MBA.

Bald darauf musste Rudi Feuerwehr spielen: sein Vater Anton, ursprünglich Bauer und Frächter, hatte in Nigeria mit einem deutschen Partner eine lokale Stickerei-Produktion ins Leben gerufen. Als aus dem Unternehmen 1 Million Dollar verschwanden, wurde Rudi 1979 nach Nigeria gesandt, um Licht in die Sache zu bringen. Der Partner suchte bei Nacht und Nebel das Weite. Rudi übernahm die Leitung des Unternehmens und blieb bis heute.

Lustenauer Stickereien zählen zu den Top-Exportprodukten Österreichs nach Nigeria. Foto: Barbara Plankensteiner

 

Überlebenskünstler

Über die “Ups and Downs“ des Geschäfts und die Abenteuer der letzten Jahrzehnte kann er viele bunte Geschichten erzählen.

Die wirtschaftlich besten Zeiten erlebte Rudi nach dem Kauf einer zweiten Fabrik während der Präsidentschaft des Generals Babangida in den 90er Jahren. Damals produzierte man mit 49 Schiffli-Maschinen und mit 400 Arbeitern Stickereien.

Rudi mit Mitarbeiter Akinbode Adelabi vor einer seiner Stickereimaschinen

Ab etwa 2005 wurde die gesamte nigerianische Stickerei-Industrie durch Schwarzimporte chinesischer Billigware und durch die stark gesunkene Kaufkraft der Bevölkerung schwer getroffen. Von den früher einmal 25 Stickerei-Fabriken Nigerias überlebte nur eine, die vom Rudi.

Sein grenzenloser Einsatz sowie sein Mut, Kapital nachzuschießen, machten es möglich. Geholfen hat ihm auch seine Liebe zum Land und zu den Menschen.

Rudi Bösch mit Project Manager Emmanuel Olowojoba vor einer Färbemaschine

In der weiten grünen Stille

Seine Freizeit verbringt Rudi in den Wäldern und an den Flüssen Nigerias, im “Bush“. Früher war er begeisterter selbstgelernter Jäger; heute verfolgt er am liebsten Nilbarsche. Wenn er von den „großen Apparaten“ im Ogun oder Osun River spricht, strahlt er. Die haben es nicht leicht im Kampf mit dem Rudi: Als er einen ganz Großen einfach nicht herausbekommen konnte sprang er in den Fluss, zog den Riesen an eine Sandbank und umarmte ihn so lange, bis er (der Barsch natürlich) K.O. ging. Einfallsreichtum ist Rudis Markenzeichen und das Aufgeben nicht seine Sache.

Rudi mit einem der „großen Apparate“ aus dem Ogun River und einheimischen Helfern

Neben der Natur interessieren Rudi die Weltreligionen und die Philosophie. Wenn er über Martin Buber spricht, ist seine Begeisterung unüberhörbar.

In einigen Jahren wird er sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen. Dann wird der Rudi während der wärmeren Monate wieder öfter auf dem elterlichen Bauernhof in Lustenau anzutreffen sein.

 

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