Brasilien: die Speisekammer der Welt

Die Waldbrände im Amazonasgebiet waren in den vergangenen Wochen in aller Munde. Ohne über die Praktiken der brasilianischen Landwirtschaft urteilen zu wollen, nehmen wir uns heute eine der größten Agro- und Nahrungsmittelindustrien der Welt unter die Lupe.

Landwirtschaft und Waldbrände

Die Waldbrände in Brasilien haben in den letzten Wochen für viel Aufsehen gesorgt. Viele sehen den Hauptgrund der Brände in der Abholzung des Regenwalds zur Schaffung von Acker- und Weideland. Es steht außer Zweifel: illegale Aktivitäten landwirtschaftlicher Betriebe im Amazonasgebiet müssen ohne Wenn und Aber verurteilt werden. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass Brasiliens Landwirtschaft eine zentrale geostrategische Rolle spielt, die ich heute näher beleuchten möchte.

Agro-Superpower Brasilien

Brasilien produziert 353 Millionen Tonnen Nahrungsmittel, darunter Getreide, Fleisch, Obst, Gemüse, Zucker, Kakao, Kaffee und andere Produkte. Dies entspricht laut Food and Agriculture Organization (FAO) etwa 9% der Weltproduktion. Nach Volumen ist Brasilien der weltweit zweitgrößte Exporteur von verarbeiteten Lebensmitteln.

Einige Beispiele der Exportvolumina Brasiliens im Jahr 2018:

  • 80 Millionen Tonnen Soja,
  • 25 Millionen Tonnen Mais, 4 Millionen Tonnen Hühnerfleisch,
  • 1,5 Millionen Tonnen Rindfleisch und
  • 1,4 Millionen Tonnen Orangensaft.
Orangenplantage von Cutrale in Avaré, Brasilien; Fotocredit: José Reynaldo da Fonseca

Orangenplantage von Cutrale in Avaré, Brasilien; Fotocredit: José Reynaldo da Fonseca

Rasanter Anstieg der Nahrungsmittelnachfrage

Bis zum Jahr 2050 steigt die Weltbevölkerung um 29% auf 9,8 Milliarden. Die Nachfrage der mehrheitlich urbanen und relativ kaufkräftigen Weltbevölkerung nach Nahrungsmitteln nimmt insbesondere in Asien überproportional zu. Die Nahrungsmittelproduktion muss daher laut FAO bis 2050 um rund 70% zunehmen.

Brasilien ist hundert Mal so groß wie Österreich und verfügt über ein Potential von 388 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Das ist mehr als die doppelte Nutzfläche der Europäischen Union. Die klimatischen Verhältnisse erlauben in Brasilien bis zu 3 Ernten pro Jahr. Durch intensiven Einsatz von Technologie und Inbetriebnahme ungenutzter landwirtschaftlicher Flächen hat Brasilien zudem enormes Wachstumspotential. Die Agro-Supermacht wird daher 2050 bis zu 40% des weltweiten Nahrungsmittelbedarfs decken!

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Mechanisierter Zuckerrohrabbau in Piracicaba, Brasilien; Fotocredit: Mario Roberto Duran Ortiz

Ausweitung der Produktionskapazitäten

Schon in den kommenden zehn Jahren erwarten wir in Brasiliens Landwirtschaft beeindruckende Entwicklungen. Bis zum Jahr 2030 sollen zusätzlich 30 Millionen Hektar Ackerfläche in Betrieb genommen werden. Das entspricht der dreifachen Ackerfläche Deutschlands! Der Schlüssel zur massiven Produktionssteigerung sind Ertragssteigerungen bestehender Anbauflächen. So prognostiziert etwa der Industrieverband FIESP für die nächsten 10 Jahre:

  • Eine Erweiterung der Anbauflächen um ca. ein Fünftel führt zu einem Produktionsplus von 35% bei Sojabohnen und 52% bei Mais.
  • Die Weideflächen für Rinder werden um 4% reduziert, die Rindfleischproduktion wird dennoch um 22% steigen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Das rasante Wachstum der Agroindustrie birgt enorme Chancen für österreichische Anbieter. Schon heute sind Unternehmen wie die Bauer Gruppe (Beregnungsanlagen) oder Biomin (Futtermittelzusätze) erfolgreich in Brasilien tätig. Unsere Spezialistin für GreenTech und Landwirtschaft, Cécile Siber, steht Ihnen bei Interesse jederzeit gerne zur Verfügung!

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