Zuhause: ein Erklärungsversuch

Mein Lieblingsposten? Die Frage kommt oft in diesem Job. Ich sag dann immer „das ist so wie bei Kindern, man hat sie alle gleich lieb“. Obwohl ich selbst keine Kinder habe, denk ich mir: Blödsinn. Natürlich hat man seine Lieblinge.

Die Länder, die uns definieren. Die uns zur Verzweiflung treiben, und die wir trotzdem über alles lieben. Die, die uns zeigen was wir vom Leben wollen – oft indem sie uns genau das Gegenteil bieten. Länder, die uns Wurzeln abverlangen.

Indien hat es mir persönlich angetan. Foto: Alexandre Bouleau

Und dann natürlich das Land, in dem sich all unsere Wurzeln vereinen: Österreich. Wie ist das so, wenn man wieder da ist? Wenn man irgendwann den Großteil seines Lebens „im Ausland“ verbracht hat? Wie fühlt sich die Heimat an, wenn sie Großteils aus Erinnerungen besteht?

aber auch Nigeria, mein erster Posten, hat mein Weltbild definiert. Foto: Mathieu Beunier

Für viele von uns ist die Rückkehr ins Inland eine Versetzung, der wir die wohl geringste Aufmerksamkeit widmen. Eh daheim.

Die vertraute Heimat, die – so hoffen wir – während unserer Abwesenheit in einer Zeitkapsel weitergelebt hat, um uns nun wohl präserviert wieder willkommen zu heißen.

Die Weite Tasmaniens: für mich ein Beweis, dass ich’s gern voller hab. Foto: Navid Bagheri

Wien, zum Beispiel: entlang der Landstraßer Hauptstraße tummeln sich Etablissements, die Cappuccinos mit Mandelmilch servieren. Die grantigen Wiener Kellner im Café Sperl wurden durch ein Team an lächelnden jungen Damen ersetzt (und in mir ringt die Nostalgie mit der Frauenpower). Auf einem 200 Meter Fußweg überhört man Unterhaltungen in mehreren Sprachen (und mir geht das Herz auf).

Ach, Wien.

Aber wo sind wir Zuhause?

Für viele von uns beantwortet sich diese Frage nicht mehr so einfach. Wo kommen unsere Partner her? Wo sind unsere Kinder geboren? Auf welcher Sprache sagen wir unseren Lieben, dass wir sie lieben?

Das mit dem Lieblingsposten ist ehrlich gesagt gar nicht so einfach. Weil irgendwann die Grenzen verschwimmen und man merkt, dass man jedem Ort was abverlangt hat: ein Stück Zuhause.

Für mich immer ein Kriterium: home is where the dogs are.

Frohe Weihnachten!

2 comments

  1. Avatar
    Fritz Eder
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    Ich meine, zuhause kann man nur in sich selbst sein. Erwachsen werden, hat bei mir sehr lange gedauert, ist unter anderem auch ein Prozess wo das Empfinden von Geborgenheit aus dem elterlichen Zuhause in das eigene Zuhause wechselt.

    Dann gibt es noch Gesellschaften zu deren Wohl, man ist ja Teil einer oder mehrerer Gesellschaften, man sich entsprechend betätigt. Ein Staat ist eine Verwaltungseinheit und gibt gewisse Rahmenbedingungen vor die wir selbst definieren. Da wir diese Bedingungen selbst definieren ist der Staat auch unsere Heimat.
    Ich bin überglücklich Teil der Österreichischen Gesellschaft, des Staates Österreich zu sein und bringe mich nach meinen Gutdünken ein. Meine Arbeit, so meine Meinung, ist hilfreich in anderen Ländern. Das wiederum hilft uns in Österreich.

    Ich trage sozusagen Österreich immer in mir, egal wo ich bin. Ich gehe geschäftlich dorthin wo das auch passt. Ich war glücklicher Weise noch nie in Ländern wo das nicht passt obwohl ich viele und lange Reisen unternehme. Selbstverständlich akzeptiere ich in den fremden Ländern dortige Gepflogenheiten, aber ich bleibe der der ich bin und bleibe daher zuhause, egal wo ich mich geographisch gerade aufhalte und dabei die tollsten Dinge erlebe.

    Meine Erkenntnis: Es ist überall ziemlich ähnlich wie bei uns: Am Morgen geht die Sonne auf, am Abend geht sie unter. Dazwischen vertreiben wir uns die Zeit mit Arbeit und Freuden.

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