Corona-Gedanken aus Kenia

Die WKÖ-Wirtschaftsdelegierte Edith Predorf in Kenia über ihre Eindrücke in Zeiten von Corona und darüber, wie es sich anfühlt, für elf Länder zuständig zu sein, und all das von der eigenen Terrasse aus.

Wenn mich COVID etwas gelehrt hat, dann, dass meine Arbeit zum Teil recht ortsunabhängig ist. Aber eben nur zum Teil. Denn eine Firma in Uganda kann ich nicht nur virtuell besuchen, um zu beurteilen, ob sie einen seriösen Eindruck macht. Meine Einschätzungen sparen österreichischen Firmen viel Geld, da sie nicht auf Betrüger hereinfallen.

Auch die wirklich guten Kontakte machen sich – zumindest in Ostafrika – nicht virtuell, sondern rein „physisch“. Dafür muss man die Menschen schon von Angesicht zu Angesicht sehen und manchmal einfach nach seinem Gespür gehen. Und auch die Zufallsbekanntschaften sind virtuell weniger. „Du, darf ich dir vorstellen …?“, das ist mir auf einer virtuellen Konferenz bisher noch nicht passiert.

Was habe ich noch gelernt? Dass man Haarshampoo gar nicht unbedingt für 6 Monate im Koffer mitnehmen muss, sondern sogar lokal kaufen kann – egal, wo man ist. Und manchmal halt auf die Manner Schnitten verzichten muss. Sogar das geht – ich war jetzt schon bald seit einem Jahr nicht mehr daheim.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht

Ganz verstehen tun die Krise die Menschen in Ostafrika nicht. Es ist alles gut gelaufen – und plötzlich steht die Welt Kopf. Und jemand kommt mit einem Staberl zu dir und sagt: „Du bist krank.“ Auch wenn du gar keine Symptome hast. Und, dass du zuhause bleiben musst, damit du die anderen nicht auch noch ansteckst. Das ist schwierig, denn das bedeutet Hunger. Für dich, aber auch für die ganze Familie, denn Sozialhilfe und Erspartes gibt’s nicht. „Wer nicht arbeitet, kann auch nicht essen“ – das ist ganz einfach. Angeblich ist viel Geld geflossen – nur haben die, die es gebraucht hätten, nicht viel davon gesehen. Das Gegenteil von gut ist halt oft nicht böse, sondern gut gemeint.

Stehauf-Ländchen Kenia

Wie es in Kenia weitergehen soll? Jetzt erstmal aus der Krise starten. Da hat der IWF zuletzt gesagt, dass es in Kenia doch nicht ganz so schlecht aussieht, wie anfangs befürchtet. Totgesagte leben länger, wie es scheint. Für nächstes Jahr soll es wieder bergauf gehen, nur ist Kenia bereits zwei Jahre vor den Wahlen schon wieder im Wahlkampf. Und das schadet der Wirtschaft, wie auch die Vergangenheit gezeigt hat. Wir rechnen also mit einem gedämpften Wachstum, jedenfalls aber Wachstum, weil sich die Kenianer nicht so leicht unterkriegen lassen. Auch das hat die Vergangenheit schon gezeigt.

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